Destatis Unfallatlas 2018

Am 19.8.2019 veröffentlichte das Statistische Bundesamt den Hinweis darauf, dass die aktualisierte Ausgabe des Unfallatlas soeben bereitgestellt worden sei. Durch das Update enthält das Portal jetzt auch die georeferenzierten Unfalldaten für das Jahr 2018.

Erstmals auch Berlin vertreten

Nachdem die Unfallatlas-Seite im Sommer 2018 zunächst nur mit den Daten von 7 (2016) bzw. 9 (2017) Bundesländern online gegangen war, wurden Ende 2018 noch die Datensätze für die drei Bundesländer Saarland, Rheinland-Pfalz und Brandenburg aus 2017 hinzugefügt. In diesem Jahr sind erstmals auch die mit viel Spannung erwarteten Unfallorte aus dem Land Berlin verfügbar, so dass aktuell nur noch Nordrhein-Westfalen, Thüringen und Mecklenburg-Vorpommern „weiße Flecken“ auf der Unfallkarte zeigen. Der oben zitierten Pressemitteilung zufolge sollen aber auch diese Länder im nächsten Sommer dabei sein.

Kartendarstellung unbrauchbar

Leider krankt die Seite des Unfallatlas nach wie vor an m.E. schwerwiegenden Kinderkrankheiten. Der größte Kritikpunkt gilt den nur rudimentären und damit mangelhaften Filtermöglichkeiten beim Ein- und Ausblenden von Daten. So ist z.B. die kleine Tabelle mit der (ohnehin sehr spartanischen…) Übersicht der im jeweiligen Kartenausschnitt angezeigten Unfälle nur verfügbar, wenn man im Menü links den Punkt „alle Unfallorte mit Personenschäden“ wählt. Die Beschränkung auf einzelne Verkehrsarten (z.B. Radverkehr) für eine nähere Analyse ist damit unmöglich. Ebensowenig kann man optisch Unfälle mit Leichtverletzten von Unfällen mit Schwerverletzten differenzieren. Auch ist es unmöglich, die Daten aller bisher erfassten Jahrgänge gemeinsam anzusehen. Quintessenz: im gegenwärtigen Layout taugt die Karte lediglich für ein einmaliges neugieriges Reinschauen nebst flüchtigem „Wow, so viele?!“-Effekt.

Lob der Opendata-Version

Dankenswerterweise haben sich die Verantwortlichen dafür entschieden, neben der wenig nützlichen Webseite auch den Rohdatenbestand öffentlich zum Download anzubieten. Das Angebot umfasst, jeweils jahrgangsweise gepackt, Tabellen im *.csv-Format sowie Ordner mit allen notwendigen Files für die direkte Integration in externe Kartenanwendungen. Wer über eine solche Anwendung bereits verfügt oder aber dazu bereit ist, sich eine solche zu besorgen, der wird mit vielfältigen Möglichkeit der genaueren Analyse belohnt.

Analyse der Fahrradunfälle

Die 21 Mb große csv-Tabelle für 2018 enthält 211.868 Einträge. Somit sind in den Daten der 13 verfügbaren Bundesländer aktuell 69% der 2018 von destatis erfassten 308.721 Unfälle mit Personenschaden repräsentiert. Von den 57.422 gelisteten Unfällen mit Fahrradbeteiligung entfallen 307 auf Unfälle mit Getöteten (ebenfalls 69% der veröffentlichten Gesamtzahl von 445). Diese 307 Todesfälle habe ich im QGIS-Kartenprogramm mit den in 2018 von mir bereits erfassten Unfallorten überlagert und anhand fehlender Überdeckung gut 60 Einträge identifiziert, die bisher noch nicht in meiner Datenbank vorhanden waren. Mit den exakten Angaben zu Unfallort, Monat und weiteren Beteiligten konnte ich allerdings für die meisten Vorfälle mit Fremdbeteiligung entsprechende Meldungen über Unfälle mit Schwer(st)verletzten ausfindig machen. Nach Ausschluss von einer Handvoll Fällen mit verstorbenen Motorradfahrern bzw. Fußgängern verblieben 56 Neueinträge mit verstorbenen Radfahrern.

Welche Unfälle entgehen der laufenden Erfassung?

Besonders interessiert mich bei der Nacherfassung natürlich die Frage, ob die unveröffentlichten Fälle hinsichtlich Unfalltyp und Unfallgegner eine systematische Abweichung von den übrigen Daten aufweisen, und ob diese Abweichung ggf. darauf schließen lässt, dass vor allem schwere Auffahr- und Streifunfälle von der Tagespresse nicht gemeldet werden. Wie schon bei der Nacherfassung in den beiden Vorjahren zeigt sich aber auch für 2018, dass diese Befürchtung nicht zutrifft. Tendenziell bleiben vor allem Alleinstürze (28 von 56) und Vorfahrtfehler (13) unentdeckt. Lediglich in zwei der Fälle gab es einen tödlichen Auffahrunfall, womit die Quote innerhalb des Kollektivs der nacherfassten Unfälle weit unterhalb des Anteils an allen bislang erfassten Unfällen liegt. Die Nachträge verteilen sich recht gleichmäßig auf innerorts liegende Stellen und das unbesiedelte Freiland (32:24). Auffällig bei den innerörtlichen Ereignissen ist, dass hier vor allem eher kleinere Ortschaften mit maximal 20.000 Einwohnern vertreten sind. Die beiden letzten Punkte erscheinen allerdings plausibel, da gerade außerorts und in Dörfern und Kleinstädten die Wahrscheinlichkeit eher hoch ist, dass sowohl Polizeipressestellen als auch Zeitungsredaktionen von einem Todesfall keine Notiz mehr nehmen werden.

Ergebnis der Nacherfassung

Die folgende Abbildung zeigt die Verteilung der Unfalltypen und Unfallgegner in Abhängigkeit von Siedlungsgröße und Ortslage. Die Unfälle sind mit den Indexnummern 18-439 bis 18-494 in die Gesamttabelle aufgenommen worden.

Nacherfassung2018

Wie man am Höchstwert 18-494 erkennt, liegt meine Statistik derzeit um ca. 50 Einträge über dem offiziellen Wert von Destatis. Dies ist nur zum Teil darauf zurückzuführen, dass meine Erfassung auch Einträge enthält, die bei Alleinstürzen nicht die amtlichen Kriterien für einen Verkehrsunfall erfüllen (dabei handelt es sich v.a. um krankheitsbedingte Stürze). In 2018 habe ich 160 Solo-Tote erfasst, während Destatis nur 120 angibt. Offensichtlich enthält die amtliche Verkehrsunfallstatistik 2018 trotz des noch fehlenden Abgleichs mit den drei fehlenden Bundesländern also bereits eine (mit aktuell ca. 3% allerdings sehr geringe) Dunkelziffer bei Unfällen mit Fremdbeteiligung.

 

 

 

Ein Gedanke zu „Destatis Unfallatlas 2018

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