Destatis Unfallatlas 2020

Am 12.7.2020 veröffentlichte das Statistische Bundesamt den Hinweis darauf, dass die aktualisierte Ausgabe des Unfallatlas soeben bereitgestellt worden sei. Durch das Update enthält das Portal jetzt auch die georeferenzierten Unfalldaten für das Jahr 2020.

Bundesgebiet erstmals komplett abgedeckt

Nachdem die Unfallatlas-Seite 2018 zunächst nur mit den Daten von 7 (2016) bzw. 9 (2017) Bundesländern online gegangen war, wurden Ende 2018 noch die Datensätze für die drei Bundesländer Saarland, Rheinland-Pfalz und Brandenburg aus 2017 hinzugefügt. Mit dem Update vom Sommer 2019 waren dann erstmals auch die Unfallorte aus dem Land Berlin verfügbar. Im vergangenen Jahr stießen Nordrhein-Westfalen und Thüringen zum Kreis der teilnehmenden Bundesländer. Mit der Beteiligung von Mecklenburg-Vorpommern ist im Jahr 2020 erstmal eine gesamte Abdeckung des Bundesgebietes im Unfallatlas erfolgt.

Kartendarstellung nach wie vor unbrauchbar

(Anmerkung: Den folgenden kritischen Absatz muss ich leider 1:1 aus meinem Blogbeitrag zum Unfallatlas 2019 aus dem Vorjahr übernehmen.)

Leider wurde das Portal durch das Daten-Update lediglich inhaltlich aufgefrischt. Die Kartendarstellung des Unfallatlas bleibt für eine detaillierte Analyse weiterhin viel zu undifferenziert. So wird z.B. die tabellarische Ansicht der beteiligten Verkehrsteilnehmer-Arten für die im gewählten Kartenausschnitt angezeigten Unfallpunkte nur verfügbar, wenn man den Punkt „Alle Unfallorte mit Personenschaden“ auswählt, was eine Beschränkung von Ansicht und Tabelle auf einzelne Verkehrsarten ausschließt. Zudem ist die logische Verknüpfung mehrerer Parameter nicht vorgesehen, so dass man z.B. die Anzeige nicht auf [getötet + Fahrrad] begrenzen kann. Die Kartenanzeige lässt weiter keine Unterscheidung zwischen leicht- und schwerverletzten Opfern zu. Da auch nur zwei verschiedene Farben und eine einzige Symbolform für die angezeigten Objekte zur Verfügung stehen, ist leider auch keine visuelle Diskriminierung der vielen Punkte möglich. Nach wie vor ist es auch nicht gestattet, die Daten aller bisher erfassten Jahrgänge gleichzeitig anzuzeigen.

Dankenswerterweise haben sich die Verantwortlichen dafür entschieden, neben der wenig nützlichen Webseite auch den Rohdatenbestand öffentlich zum Download anzubieten. Das Angebot umfasst, jeweils jahrgangsweise gepackt, Tabellen im *.csv-Format sowie Ordner mit allen notwendigen Files für die direkte Integration in externe Kartenanwendungen. Wer über eine solche Anwendung bereits verfügt oder aber dazu bereit ist, sich eine solche zu besorgen, der wird mit vielfältigen Möglichkeit der genaueren Analyse belohnt.

Analyse der tödlichen Fahrradunfälle

Das csv-File für 2020 enthält 367 Einträge der Kategorie 1 (Unfall mit Toten) in Kombination mit dem Merkmal „IstRad=1“ (Unfall mit Fahrradbeteiligung). Die Orte dieser Todesfälle habe ich im QGIS-Kartenprogramm mit den in 2020 von mir bereits erfassten Unfallorten überlagert und anhand fehlender Überdeckung 66 Einträge identifiziert, die bisher noch nicht in meiner Datenbank vorhanden waren. Nach Ausschluss der Fälle, bei denen die Online-Recherche anzeigte, dass wohl ein anderer Verkehrsteilnehmer nach einem Zusammenstoß mit einem beteiligten Radfahrer schwer verletzt und getötet worden war, verblieben 58 Neueinträge mit getöteten Radfahrern. Damit liegt sowohl die Gesamtzahl Todesfälle im Unfallatlas (367 vs. 383) als auch die Zahl der auf die beschriebene Weise ermittelten Nachmeldungen (58 vs. 78) spürbar unter den Werten des Vorjahres. Da Destatis im Periodikum „Verkehrsunfälle“ für 2020 insgesamt 19 getötete Radfahrer weniger als in 2019 ausweist, kommt dieser Rückgang allerdings nicht ganz überraschend. Die Erfassungsquote im Datenbestand des Unfallatlas beträgt nach Abzug der 8 getöteten Kradfahrer und Fußgänger von den 367 Todesfällen mit Fahrradbeteiligung unter dem Strich wie im Vorjahr 84%.

Welche Unfälle entgingen der laufenden Erfassung?

Wie in den vier Vorjahren entgingen auch in 2020 vorwiegend tödliche Alleinunfälle und Vorfahrtkonflikte der Erfassung über die tägliche Netzrecherche. Für 29 der 58 nacherfassten Ereignisse lässt sich zum angegebenen Unfallort auch nachträglich keinerlei Meldung über ein schwerwiegendes Ereignis ausfindig machen. Für die anderen 29 Fälle konnte eine für Termin und Ort passende Unfallmeldung gefunden werden, so dass hier die im OpenData-Bestand des Unfallatlas fehlenden Parameter wie z.B. Alter der Beteiligten, Pedelec-Nutzung, genauer Hergang und Unfallschuld nachgetragen werden konnten. Die „rote Laterne“ für die schlechteste mediale Abdeckung geht für 2020 an die Landespolizeidirektion Brandenburg, denn aus diesem Bundesland stammen allein 7 unter den 29 „Orphan“-Einträgen im OpenData-Bestand. Knapp jeder vierte der insgesamt 30 Brandenburger Rad-Toten blieb 2020 der Öffentlichkeit ungemeldet.

In lediglich einem einzigen Fall (20-453 in Ebersbach-Neugersdorf, 1.100 Einwohner, 1,7% aller Nachmeldungen) ergab die Analyse der Daten einen Hinweis darauf, dass der tödliche Unfall durch Auffahren bzw. Streifen von hinten passiert sein könnte. Leider ließ sich auch zu diesem Ereignis keinerlei Pressemeldung zum genauen Hergang auffinden.

Ergebnis der Nacherfassung

Die folgende Abbildung zeigt die Verteilung der Unfalltypen und Unfallgegner bei der Nacherfassung. Die Unfälle sind mit den Indexnummern 20-445 bis 20-502 in die Gesamttabelle aufgenommen worden.

nachmeldungen2020

Für ergänzende Hinweise, insbesondere zu den lediglich im Unfallatlas-OpenData-Bestand gelisteten Unfällen, bin ich jederzeit dankbar. Zur vereinfachten Durchsicht füge ich einen Link zu einer Tabelle mit den entsprechenden „Orphan“-Einträgen ohne weitere Quelle hier an.

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