Erzeugung eigener Karten aus Rohdaten des Unfallatlas-Portals

Der „Interaktive Unfallatlas“ wird vom Betreiber selbst damit beworben, dass man damit erkennen könne, wo es in der eigenen Stadt am gefährlichsten wäre. In das gleiche Horn stoßen auch Medien, Behörden und NGOs.

Diese Darstellung ist irreführend. Das hauptsächliche Manko besteht darin, dass das Merkmal „Gefährlichkeit“ hier aus dem Blickwinkel der Verkehrsbehörden definiert wird, deren Aufgabe es u.a. ist, in ihrem Verantwortungsbereich möglichst wenig Unfälle zuzulassen. Für diese Instanzen ist es tatsächlich wichtig, dass die Interventionen und die zur Verfügung stehenden Ressourcen auf die Strecken fokussiert werden müssen, wo sie den größtmöglichen Nutzen bewirken können. Für den einzelnen Verkehrsteilnehmer als „Verbraucher“ hingegen, so wie er durch die Präsentation des Unfallatlas angesprochen wird, resultiert allerdings die Gefährlichkeit ausschließlich aus der Wahrscheinlichkeit, mit der es pro einzelner Ortsveränderung zum Unfall kommen könnte. Für eine persönliche Risikobewertung ist aber die Kenntnis der allgemeinen Fahrleistung pro Streckenabschnitt unerlässlich – und der Unfallatlas, in dessen Daten die Verkehrsstärken nicht enthalten sind, somit für den beworbenen Zweck unbrauchbar. Leider lässt sich dieses Manko mangels flächendeckender Verkehrszählung auch grundsätzlich nicht beheben.

Ein weiteres grundsätzliches Defizit des Unfallatlas besteht aber auch in der völlig unbrauchbaren Filterfunktion. Die Seite erlaubt leider keine sinnvolle Auswahl von kombinierten Einzelparametern auf z.B. einzelne Unfallarten, Unfalltypen, Verletzungsschweren oder Gegnerkombinationen, obwohl all diese Informationen ja im Rohdatenbestand durchaus noch enthalten wären. Zum Glück jedoch sind genau diese Rohdaten öffentlich verfügbar und können nach eigenem Gusto verwendet und gefiltert werden. Im Folgenden ist anhand eines bereits veröffentlichten Beispiels beschrieben, welche Möglichkeiten sich mit den geeigneten Werkzeugen eröffnen.

Vorgehensweise für angepasste eigene Karten

  • Download und Entpacken aller .csv-Files der Jahrgänge 2016 bis 2020 von der OpenData-Seite des Unfallatlas-Portals.
  • In Excel: Entfernen aller Ereignisse ohne Fahrradbeteiligung durch Löschen aller Einträge mit dem Wert „0“ in der Spalte „IstRad“.csv_origEntfernen aller Ereignisse mit nur Leichtverletzten durch Löschen aller Einträge mit dem Wert „3“ in der Spalte „UKategorie“. Anpassung der Tabellen durch Ergänzung der Einträge in der Spalte „Objectid“ um die zweistellige Jahrgangszahl. Erzeugung einer neuen Spalte mit dem Titel „Gegner“ aus den Werten der Einzelspalten für die Beteiligten. Löschen/Hinzufügen/Umbenennen/Sortieren von Spalten nach einem für alle Blätter einheitlichen Muster (Anordnung und Anzahl der Spalten ist im Laufe der Jahre geändert worden). Zusammenfügen aller Jahrgänge durch kopieren in ein einziges neues Blatt. Sichern dieses Blattes als neue .csv-Datei.

csv_mod

  • Sofern nicht die Absicht besteht, die eigene Auswertung im Netz zu veröffentlichen (s.u.), und die Leistungsfähigkeit des eigenen PCs dies hergibt, besteht alternativ zur soeben beschriebenen vorherigen Manipulation der .csv-Jahrgangstabellen auch die Möglichkeit, die unveränderten einzelnen .csv-Dateien bzw. die ebenfalls verfügbaren Shapefile-Ordner jahrgangsweise als separate Layer direkt im Geodaten-Programm zu importieren und sie erst dort nach Bedarf zu filtern (s.u.).
  • Eine Alternative zur Limitierung des ausufernden Rohdatenbestandes unter gleichzeitigem Erhalt sämtlicher Einträg für die eigene Gemeinde besteht im Ausschluss aller irrelevanten Datensätze durch Filterung nach dem Kriterium „Amtlicher Gemeindeschlüssel“, der z.B. für jede Gemeinde in deren Wikipedia-Eintrag angegeben ist. Dieses Merkmal ist allerdings in den Rohdaten nicht direkt enthalten und muss erst durch das Anlegen einer neuen Tabellespalte in Excel aus der Verknüpfung von vier Einzelspalten kreiert werden (siehe Abbildung).

ags

  • In QGIS: Software ggf. Installieren und unter „Erweiterungen“ das Plugin „Quickmap-Services“ integrieren. Neues leeres Projekt erzeugen. Import des bearbeiteten .csv-Files mittels „getrennte Textdatei als neuen Layer hinzufügen“. Alle angebotenen Default-Einstellungen belassen, mit Ausnahme des Koordinatenbezugsystems (Geometrie-KBS). Hier muss „EPSG:25832 – ETRS89 / UTM Zone 32N“ stehen, wenn man die GPS-Koordinaten aus den beiden LINREF-Spalten importieren möchte. Dann Underlay-Map auswählen unter Web/QuickmapServices, z.B. OSM Standard. Es können innerhalb des Projekts mehrere Maps gleichzeitig eingebunden werden, wobei der erste aktivierte Eintrag alle darunterliegenden aktivierten Karten verdeckt.

mapauswahl

Die angezeigten Einträge können nach den Inhalten der Tabellenspalten gefiltert werden, wobei auch logische Kombinationen mehrer Einträge möglich sind. Ebenso ist es möglich, Layer zu duplizieren und für das Duplikat eine abweichende Filterauswahl zu treffen.

filter

Nach Doppelklick auf den Layertitel können die innerhalb dieses Layers angezeigten Symbole hinsichtlich Farbe und Form in Abhängigkeit von den Spalten-Werten verändert werden.

symbole

Zwischendurch (QGIS stürzt manchmal ohne Möglichkeit der Datenrettung ab) und abschließend Sichern der erzeugten Datei unter einem aussagefähigen Projektnamen.

  • Publizieren eigener Karten im Web: der einfachste Weg ist die Erzeugung eines neuen Kontos bei der Cloud-Plattform QGISCloud. Hierzu das QGISCloud-Plugin installieren und in den Cloudsettings den Eintrag „Registrieren“ klicken. Nach der üblichen Einrichtungsprozedur besteht die Möglichkeit, eigene Projekte kostenlos im Web zu veröffentlichen, sofern sie den Speicherplatz von 50 Mb nicht überschreiten. Vorsicht: falls die Absicht besteht, das publizierte Projekt nachträglich erneut zu ändern, ist darauf zu achten, dass der während der Publikationsprozedur festgelegte Dateiname und Speicherort vom bis dahin verwendeten Projektnamen abweicht. Ansonsten kann es beim erneuten Öffnen des Projekts zu Problemen mit dem Auffinden der eingebetteten Layer-Dateien kommen.

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