Update Oktober 2021

Update der Unfallsteckkarte, Update Calendar-Chart 2021, Stand 1.11.2021.

Unfallentwicklung im Oktober

Im Oktober 2021 wurden 36 neue Einträge in die Datenbank vorgenommen. Damit liegt auch im Oktober das Ergebnis unterhalb des mehrjährigen Durchschnitts von 41,1 für die Oktober im Zeitraum von 2013-2020. Jahresübergreifend hält der Trend der unter bzw. auf dem bisherigen Durchschnitt liegenden Monatsergebnisse damit schon seit 13 Monaten in ununterbrochener Folge an.

Jahresgang2021_monatlich

Bei 14 der im Oktober berichteten Fahrrad-Todesfällen war offenbar kein weiterer Gegner beteiligt. Da zudem 2 weitere Radfahrer an Bahnübergängen nach Kollision mit durchfahrenden Zügen starben, verbleiben 20 Todesfälle mit KFZ-Beteiligung.

Das vorläufige Gesamtergebnis 2021 seit Jahresbeginn liegt weiterhin auf dem Niveau der Vergleichszeitraums von 2013, das als das bislang günstigste Fahrradunfall-Jahr seit dem Beginn der systematischen Bundes-Unfallstatistik zu Buche steht. Träger der positiven Entwicklung bleiben einerseits die niedrige Zahl an Alleinunfällen sowie andererseits der überaus erfreuliche Trend bei den innerorts unter KFZ-Beteiligung getöteten Radfahrern. Die Summe der in den ersten 10 Monaten innerorts durch KFZ-Kollsionen ums Leben gekommenen Radfahrer liegt nur bei etwa der Hälfte der günstigsten Werte der gleichen Periode in den Vorjahren.

jahresgang2021

Unfälle mit KFZ

Im Oktober 2021 ereigneten sich nur 20 tödliche Unfälle von Radfahrern unter Beteiligung von Kraftfahrzeugen. Dem aktuellen Trend folgend fand mehr als die Hälfte davon (12/8) außerhalb geschlossener Ortschaften statt. Dreimal kam es zu für den beteiligten Radfahrer tödlichen Zusammenstößen mit Motorrädern, ein weiterer Radfahrer geriet auf einem engen Feldweg unter den Anhänger eines entgegenkommenden Traktors. In den anderen Fällen handelte es sich beim Unfallgegner um 11 PKW und 5 LKW.  

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kfz2021

Unter den 12 außerörtlichen KFZ-Unfällen sticht einmal mehr die dominierende Anzahl von 7 Vorfahrtnahmen durch die getöteten Radfahrer hervor (Durchschnittsalter der 7 beteiligten Radfahrer bei diesem Szenario 76 Jahre, darunter 4 PDLX-Nutzer).

Ein 48-jähriger Radfahrer wurde im Oktober bei einem außerörtlichen Auffahrunfall auf einsamer Landstraße getötet,  sein ebenfalls radfahrender Bruder schwer verletzt. Beide Radler waren offenbar deutlich alkoholisiert und benutzten ihre Räder nach dem Hereinbruch der Dunkelheit ohne aktive Beleuchtung.

Drei Todesfälle mit rechtsabbiegenden LKW im Oktober

Im innerörtlichen Sektor gab es im Oktober gleich drei tödliche Kollisionen mit rechtsabbiegenden LKW und parallel geradeausfahrenden Radfahrern. Für die größte Entrüstung in Medien und SocialMedia sorgte sicherlich der Unfall in Hamburg, weil der überfahrene Radfahrer etliche Meter vor der Kreuzung auf einem „Radfahrstreifen in Mittellage“ („RiM“) vom auf die Rechtsabbiegerspur ziehenden LKW überrollt wurde. Bei vielen Fahrradinitiativen (Radentscheiden, ADFC) werden RiM als Inbegriff verkorkster Radverkehrspolitik geschmäht und als Mordstreifen diffamiert (stilprägend die publikumswirksam gestellten Aufnahmen der zwischen gleich 2 (gemietete…) LKW plakativ  eingeklemmten Kinder von ChangingCities in Berlin). Entgegen der populären Stänkerei gegen RiM ist die Unfallbilanz dieser Verkehrsführung auch keine größere Katastrophe als die jeder anderen Führungsform von Radverkehr außerhalb der Fahrbahn. Meinen Aufzeichnungen zufolge finden sich jedenfalls unter knapp 300 Todesfällen mit rechtsabbiegenden Groß-LKW erst 6 Fälle im Zusammenhang mit RiM. Erwähnenswert ist auch, dass es 2017 einen tödlichen Rechtsabbiegerunfall in Osnabrück gab, wo die Rechtsabbiegerspur der eigentlich vorhandenen RiM-Führung wegen einer größeren Baustelle gesperrt war, und es trotzdem (deswegen?) zur fatalen Kollision zwischen LKW-Abbieger und Radfahrer kam. Um Missverständnisse zu vermeiden: ich bin beileibe kein Anhänger von RiM. Ich bin nur der Ansicht, dass sie im Hinblick auf das Unfallrisiko grundsätzlich auch nicht schlechter abschneiden als jede beliebige andere Form der Radfahrerseparation. Für gefährlich erachte ich allerdings die zunehmende Mischung der möglichen Führungsformen auf unseren Straßen. Verkehrssicherheit an Kreuzungen hängt weniger von der einen ganz bestimmten genialen Führung ab, als davon, dass die Verkehrsteilnehmer die notwendige unfallverhütende Fokussierung auf die diversen unweigerlich gegebenen neuralgischen Punkte einer Kreuzung erlernen und zumindest teilweise automatisieren können.

Wie man auf den Bildern des LKW am Unfallort erkennen kann, gehörte der beteiligte Daimler-Benz-LKW übrigens zur neuesten Fahrzeuggeneration und verfügte bereits über kameragestützte Rückspiegel („MirrorCam„) und damit einhergehend wohl auch über elektronische Abbiege- und Notbremsassistenten. Warum dieses System versagte und der Fahrer den neben ihm befindlichen Radfahrer ignorierte, blieb im Eifer des Gefechts um Sinn und Unsinn von RiM ein leider in den Medien bislang gänzlich unbeachtetes Detail.

Bei aller Aufregung um die jüngste „Mini-Serie“ mit LKW-Rechtsabbieger-Toten darf auch nicht unerwähnt bleiben, dass die Summe dieser Fälle in 2021 insgesamt dem günstigen Allgemeintrend für innerörtliche Todesfälle mit KFZ folgend auf außergewöhnlich niedrigem Niveau bleibt: seit Jahresanfang gab es mit bislang 12 Toten auch bei den Rechtsabbiegern erst deutlich weniger als die Hälfte der in den Vorjahren bis Ende Oktober jeweils zu verzeichnenden innerörtlichen Todesfälle diesen Typs (Mittelwert 2013-2020 = 31!).

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