Update Dezember 2021

Update der Unfallsteckkarte, Update Calendar-Chart 2021, Stand 1.1.2022.

Unfallentwicklung im Dezember

Für den Dezember 2021 wurden insgesamt 21 neue Einträge in die Datenbank aufgenommen. Insgesamt liegt das Dezemberergebnis 2021 damit -dem Jahrestrend folgend- deutlich unter dem mehrjährigen Durchschnitt und nur um einen Fall über dem aus 2020 stammenden Dezember-Bestwert.

Jahresgang2021_monatlich

Zehn der 21 Todesfälle waren nicht durch Kollisionen mit KFZ bedingt:  achtmal gab es einen mutmaßlichen Alleinunfall ohne Fremdbeteiligung. Ein weiterer Radfahrer kam an einem selbständigen Straßenbahnübergang ums Leben und ein Rennradfahrer stürzte nach Kollision mit einem freilaufenden Hund, der von einem anderen Radler mitgeführt wurde, so schwer, dass er im Krankenhaus verstarb.

Im Jahresergebnis hat das Jahr 2021 damit im Vergleich zu den Vorjahren einen auffällig starken Rückgang bei den tödlich verunglückten Radfahrern zu verzeichnen. Das vorläufige Endergebnis liegt mit 343 Einträgen noch knapp unter dem Niveau von 2013 (349 Einträge), dem Jahr mit dem bislang besten Wert für den Radverkehr in der Bundesstatistik. Aufgrund dieser Übereinstimmung erscheint die von der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) auf Basis der amtlichen Daten aus den ersten drei Quartalen erstellten Prognose von etwa 360 verkehrstoten Radfahrern gegenüber den 354 durch Destatis für 2013 gemeldeten Opfern sehr plausibel. Zwar dürfte sich die Opferzahl in meiner Datenbank nach dem Abgleich mit der OpenData-Quelle des Unfallatlas-Portals im kommenden Sommer erfahrungsgemäß noch um ca. 50 Fälle -und damit deutlich über den Wert der BASt-Prognose hinaus- erhöhen. Allerdings ist zu beachten, dass meine Sammlung stets einen Anteil an Alleintoten als Überhang enthält, bei denen der Tod nach Ansicht der Behörden offenbar nachträglich nicht (mehr) als Verkehrsunfallfolge eingstuft wurde.

Ein Endergebnis auf dem Niveau des historischen Bestwertes muss um so mehr beeindrucken, als dass die Radfahrleistug im jüngeren Trend allgemein stark angestiegen ist und es zudem im Rekordjahr 2013 im Gegensatz zum eher milden Jahr 2021 die Besonderheit gab, dass sowohl im Früh- wie auch im Spätjahr ausgedehnte Schneewetterlagen mit entsprechend wenig Radverkehrsaufkommen herrschten. Für den Verdacht, dass die gesunkene Radunfallzahl auf einer heuer gleichfalls stark rückläufigen Radfahrleistung beruhen könnte, gibt es keine Indizien. So weisen z.B. die meisten der vorhandenen städtischen Pegelzähler auch für das abgelaufene Jahr neue Rekordwerte aus.

Selbstverständlich wird auch die durch die COVID19-Pandemie bedingt reduzierte KFZ-Fahrleistung einen Anteil an der günstigen Entwicklung gehabt haben. Allerdings sei angemerkt, dass die Radverkehrs-Toten in den Niederlanden in 2020 trotz der auch dort in ähnlichem Umfang praktizierten Maßnahmen (Lockdown, Fernunterricht und Homeoffice) bei gesunkener Radfahrleistung um 13% angestiegen waren, während Deutschland gleichzeitig einen Rückgang der Radopfer um 4 % aufwies. Dieser Rückgang hat sich in Deutschland trotz der leicht gestiegenen KFZ-Verkehrsleistung offenbar mit größter Deutlichkeit (minus 20% gegenüber 2020) nochmals fortgesetzt. Dass ein Rückgang der Radverkehrsopfer synchron zum Rückgang der KFZ-Toten unter Pandemiebediungungen keine Selbstverständlichkeit ist, hat aktuell z.B. auch Österreich gezeigt, wo sich die Zahl der Radtoten gegenüber dem schon im ersten Pandemiejahr 2020 angestiegenen Wert in 2021 erneut deutlich um 20% erhöht hat.

jahresgang2021

Unfälle mit KFZ

Im Dezember 2021 ereigneten sich nur 11 vermeldete tödliche Unfälle von Radfahrern unter Beteiligung von Kraftfahrzeugen, wovon wiederum nur 3 innerhalb geschlossener Ortschaften passierten.

kfz2021

Alle 3 innerörtlichen Unfälle mit KFZ-Beteiligung fanden unter Beteiligung von LKW statt. Damit bestätigt sich auch im Dezember die Beobachtung aus dem übrigen Jahresverlauf, wonach in diesem Jahr insbesondere schwere Unfälle mit PKW-Beteiligung außergewöhnlich seltene Ereignisse geworden sind. So gab es im gesamten Jahr 2021 innerhalb des Gebietes aller 80 deutschen Großstädte lediglich 8 Todesfälle unter Beteiligung von fahrenden PKW.

Unter den 8 außerörtlichen KFZ-vs-Rad-Toten waren im Dezember gleich 2 ähnlich gelagerte Fälle innerhalb nur weniger Tage, in denen die beteiligten Kraftfahrer die Kontrolle über ihre Fahrzeuge verloren und anschließend von der Fahrbahn schleudernd auf den durch Grünstreifen bzw. Leitplanke abgetrennten Radweg gerieten, wo sie ihr in diesem Augenblick zufällig anwesendes Opfer erschlugen. Eine weitere kleine Gruppe bilden die üblichen Vorfahrtfehler: bei 3 der 8 außerörtlichen tödlichen KFZ-Kollisionen übersahen die betroffenen Radfahrer, aus einer Nebenstraße kommend, den bevorrechtigten Schnellverkehr auf der Landstraße.

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Fazit

Das abgelaufene Jahr 2021 war ein überaus erfreuliches Jahr für die Radverkehrssicherheit in Deutschland. Bleibt erstens zu hoffen, dass die positive Entwicklung anhält und zweitens, dass Behörden, NGOs und Medien darauf aufmerksam werden und diesen für alle zögernden Ein- und Umsteigekandidaten ermutigenden Trend auch mal entsprechend offensiv vermarkten. Von pathetischen Mahnwachen und tränenseligen Ghost-Bike-Installationen hat sich noch nie ein Vertreter der „Interested but Concerned“ zum Radfahren animieren lassen.

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