Update Dezember 2022

Update der Unfallsteckkarte, Update Calendar-Chart 2022, Stand 2.1.2023.

Unfallentwicklung im Dezember 2022

Im Dezember 2022 wurden nur 17 neue Einträge in die Datenbank aufgenommen. Damit ist der Dezember bislang der einzige Monat im laufenden Jahr, für den im langjährigen Vergleich ein neuer Monatsbestwert auf- oder eingestellt wurde.

Jahresgang2022_monatlich

Sechs der 17 Neueinträge betrafen Alleinstürze durch Fahrfehler oder Gesundheitsprobleme, wobei offenbar keiner der tödlichen Alleinunfälle durch winterliche Erschwernisse bedingt war. Von den verbleibenden 11 Fällen geschahen 3 ohne Mitwirkung von KFZ. Zwei Radfahrer verunglückten tödlich an Schienenübergängen (1x außerorts mit Eisenbahn an Drängelgitter im Verlauf eines Fußweges, 1x innerorts mit Straßenbahn nach Rotlichtmissachtung). Ein Radfahrer stürzte und wurde dabei tödlich verletzt, nachdem er auf einer kleinen außerörtlichen Straße ohne Sonderwege mit einem Fußgänger zusammengestoßen war.

monatstorte

Das insgesamt sehr niedrige Ergebnis im Dezember dürfte auf das ausgeprägte Winterwetter mit strengem Frost und Glätte um die Montatsmitte zurückzuführen sein. Insbesondere Zusammenstöße mit KFZ außerorts blieben dadurch selten, während das Resultat bei innerörtlichen KFZ-Kollisionen und Alleinunfällen auf niedrigem durchschnittlichen Niveau blieb.

jahresgang2022

Unfälle mit KFZ

Insgesamt nur 8 Todesfälle mit KFZ-Beteiligung (4x PKW, 4x LKW) sind auch für einen Dezember ein sehr niedriger Wert. In allen Fällen gab es am Unfallort vorhandene Radverkehrsanlagen. Während es im Dezember 2022 keinen tödlichen Auffahr- oder Streifunfall zu verzeichnen gab, kam es gleich viermal zu Todesfällen unter Beteiligung von rechtsabbiegenden KFZ, wobei in allen vier Fällen teils deutliche Abweichungen vom bekannten Muster dieser Unfälle auftraten. Ausnahmsweise war z.B. an einem der vier Fälle ein PKW beteiligt, der Radfahrer kam entgegen der zulässigen Fahrtrichtung dem Abbieger auf dem Radweg entgegen und die nach rechts abiegende Straße bildete einen spitzen Winkel zur kreuzenden Straße, so dass mit sehr hoher Geschwindigkeit abgebogen werden konnte. Unterschiede zum ansonsten üblichen Muster gab es im Dezember auch, als in einem weiteren Fall der LKW nicht an einer Kreuzug über den Radweg rechts abbog, sondern der beteiligte Tanklaster in ein Grundstück im Verlauf der Straße einfuhr. Bei einem der vier Vorfälle passierte das Unglück morgens vor Beginn der Dämmerung noch im Dunkeln. Hier lässt der vorliegende Polizeibericht zudem offen, in welcher Richtung sich die verunglückte Radfahrerin relativ zum Abbieger bewegte. Schließlich handelte es sich beim vierten Rechtsabbieger-Todesfall beim Unfallverursacher ausnahmsweise nur um die reine Zugmaschine ohne Sattelauflieger. 

Dreimal resultierte im Dezember ein tödliche Sturz aus einer Vorfahrtverletzung (1x Rad, 2x KFZ) und einmal streifte der Getötete den Rückspiegel eines auf dem Radweg haltenden PKW, wodurch er ins Schlingern geriet, vom Radweg herab auf die Fahrbahn stürzte und dort von einem in diesem Augenblick vorbeifahrenden PKW überrollt wurde.

kfz2022

Die ersten zehn Jahre

Mit Ablauf des vergangenen Jahres umfasst meine Sammlung tödlicher Fahrradunfälle in Deutschland einen Zyklus von 10 kompletten Jahrgängen. Wenngleich der „Corona-Dip“ in den Jahren 2020 und 2021 vieles vorübergehend verzerrt, kennzeichnen unter dem Strich die folgenden stabilen langfristigen Trends für mich diese Dekade:

  • Stabilisierung der Gesamttodesfälle auf ca. 400/Jahr trotz nachhaltigen Radverkehrswachstums
  • Zunahme der Alleinstürze und kompensatorisch Reduktion der KFZ-Opfer
  • Abnahme der Überholunfälle durch Rammen/Streifen mit KFZ von hinten auf unter 30/Jahr
  • völliges Fehlen von Ramm/Streif-Opfern in Großstädten seit über 5 Jahren
  • Halbierung der tödlichen Rechtsabbiegeunfälle mit Schwerlast-LKW auf unter 20/Jahr
  • Verschiebung der Todesfälle vom Stadtgebiet ins Freiland
  • Zunahme des Durchschnittsalters der Getöteten von 59 auf 64 Jahre

Während die ersten 5 Punkte plausibel durch das „Safety in Numbers“-Phänomen erklärt werden können, sind die beiden letzten höchstwahrscheinlich Folge der rasant steigenden Pedelec-Verkäufe, die nicht nur zu einer allgemeinen Steigerung der Radelaktivität vorwiegend älterer Menschen geführt haben, sondern die wohl auch bewirkt haben, dass die Senioren sich auch vermehrt Touren ins außerörtliche Gebiet zutrauen, was wiederum das Risiko steigert, dass sie dort mit dem schnellen KFZ-Verkehr kollidieren. Entgegen der landläufigen Annahme besteht das Risiko auf der Landstraße allerdings nicht darin, dass man von unachtsamen oder rücksichtslosen Autofahrern beim Überholen in den Graben geschleudert würde. Vielmehr resultiert die Zunahme der außerörtlichen KFZ-Kollisionen daraus, dass Radfahrer aus einer Nebenstraße oder einem Feld- oder Waldweg kommend den KFZ-Schnellverkehr auf der Hauptstraße übersehen und mit diesem ungebremst kollidieren.

kfz2022_typen

 

Ein Gedanke zu „Update Dezember 2022

  1. Berni

    Ich könnte mir durchaus vorstellen, dass der zweite Punkt „Zunahme der Alleinstürze“ ebenfalls auf die vermehrte Nutzung der Pedelecs zurückzuführen sein könnte…

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