Überholvorgänge zwischen schnellen KFZ und Radfahrern sind weit ungefährlicher als immer befürchtet.

Was bedeutet das für mich?

Als Autofahrer:

Ich kann Flegeleien gegen unbequeme Fahrbahnradler nicht mehr vor mir selbst oder vor Anderen damit rechtfertigen, dass der Radfahrer selber Schuld an seinem Schicksal wäre, weil das Fahrbahnradeln bekanntermaßen leider sehr gefährlich sei. Millionen von Autofahrern können verkehrssicher überholen. Auch ich werde es schaffen!

Als Radfahrer:

Ich bin dem Autoverkehr auf der Fahrbahn nicht hilflos ausgeliefert. Die allermeisten schweren Fahrradunfälle sind auch im Mischverkehr durch Vorsicht und rechtzeitige Reaktion zu verhindern. Es gibt also keinen Grund für mich, aus Angst vor schnellen Autos auf dem Bürgersteig zu fahren, Strecken ohne Radwege ganz zu meiden oder mich bei Initiativen für einen Radwegebau an solchen Strecken einzusetzen.

Als Polizeibeamter:

Es gibt keinen Grund für mich, die Anordnung von Radwegebenutzungspflichten bei der Straßenverkehrsbehörde zu befürworten. Wenn ich mitbekomme, dass ein Radfahrer einen benutzungspflichtigen Radweg ignoriert, darf ich gerne das Opportunitätsprinzip anwenden, indem ich auf das Einschreiten verzichte.

Als Mitarbeiter der Straßenverkehrsbehörden:

Viel Verkehr oder hohe erlaubte KFZ-Geschwindigkeiten sind kein Grund für die Anordnung einer Radwegebenutzungspflicht. Ich kann es auch auf Hauptstraßen ruhigen Gewissens den Radfahrern überlassen, den benutzten Straßenteil frei zu wählen.

Als Bürgermeister:

Wenn besorgte Wähler sich bei mir für den Bau eines Radweges an einer vermeintlichen „Todesstrecke“ stark machen, brauche ich diesem Ansinnen nicht nachzugeben. Viel lieber verwende ich die knappen Finanzmittel für andere Projekte, die Gesundheit und Wohlergehen meiner Bürger wirklich zugute kommen.

Als Bundesverkehrsminister:

Ich kann mich nicht mehr mit dem Argument der Verkehrssicherheit gegen die Aufhebung der Radwegebenutzungspflicht in der StVO sperren. Ich werde mich künftig dafür einsetzen, dass die im Etat zur Radverkehrsförderung bereitgestellten Gelder nicht mehr für Neubauprojekte, sondern ausschließlich für den Rückbau von besonders gefährlichen Radwegen und die Korrektur der schlimmsten baulichen Sünden verwendet werden.

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