Update September 2021

Update der Unfallsteckkarte, Update Calendar-Chart 2021, Stand 1.10.2021.

Unfallentwicklung im September

Im September 2021 wurde in der Presse und in Polizeiberichten über insgesamt 35 neue Todesfälle mit Fahrradbeteiligung berichtet. Dieser Wert stellt das zweitbeste Septemberergebnis seit dem Beginn dieser systematisch Unfallerfassung 2013 dar.

Jahresgang2021_monatlich

Aufgrund der in allen neun bislang verstrichenen Monaten durchweg unterdurchschnittlichen bzw. zumindest durchschnittlichen Anzahl an Todesfällen sieht das Ergebnis auch auf das ganze laufende Jahr gerechnet weiterhin ausgesprochen positiv aus.

jahresgang2021

Der Verteilung der Vormonate entsprechend, resultierte erneut gut ein Drittel der registrierten Todesfälle (13 von 35) aus Stürzen, bei denen die Verunglückten offensichtlich ohne Fremdbeteiligung zu Tode kamen. Auch im September wurden, genau wie schon im August, erneut gleich vier Radler an Bahnübergängen von durchfahrenden Zügen bzw. Straßenbahnen getötet. 

Unfälle mit KFZ

Im September 2021 ereigneten sich nur 18 tödliche Unfälle unter Beteiligung von Kraftfahrzeugen, darunter 11 tödliche Kollisionen mit PKW, 5 mit Schwerlast-LKW sowie je eine mit Bus und Motorrad. Insgesamt war der September 2021 damit weit unterdurchschnittlich aktiv, da die registrierten 18 Fahrrad-Todesfälle mit KFZ-Beteiligung nur knapp die Hälfte des langjährigen Mittelwertes darstellen.

kfz2021_typenDie gute Gesamtlage ergibt sich insbesondere aus der in diesem Jahr weiterhin extrem niedrigen Unfallzahl innerhalb geschlossener Ortschaften. Hier kamen im September 11 neue Fälle hinzu, während im Freiland diesmal sogar nur 7 neue Einträge zu verzeichnen waren. In beiden Ortslagen handelt es sich jeweils um die zweitniedrigsten Werte seit dem Beginn meiner Aufzeichnungen. Günstig beibt auch die Entwicklung im für das Augenmerk der Öffentlichkeit so wichtigen Bereich der Großstädte. In allen 80 deutschen Städten mit mehr als 100.000 Einwohnern zusammengenommen kamen seit dem Jahresbeginn bislang nur 7 Menschen bei Kollisionen mit PKW ums Leben. Nur 16 Tote gab es darüber hinaus in den Großstädten mit LKW- oder Busbeteiligung. Auffällig ist hierbei, dass bis auf eine Ausnahme alle Todesfälle in Straßen lagen, die bereits über Radverkehrsanlagen verfügten; lediglich eine Person verstarb im Juli unter Mischverkehrsbedingungen beim unachtsamen Einfahren in die Fahrbahn aus einem Grundstück.kfz2021Zwei Radfahrer starben im September 2021 bei „Freak-Accidents“ nach Kollisionen mit den Fahrzeugen von Autofahrern, die die Kontrolle über ihre PKW verloren hatten. Beide Opfer benutzten zum Unfallzeitpunkt die vorhandene Fahrradinfrastruktur. Fünf Radler ließen bei Vorfahrtfehlern bzw. Rotlichtverstoß das Leben, 3 Personen starben nach Fehlern beim Linksabbiegen. Das einzige Opfer eines Überholvorganges im September starb im Kreis Cuxhaven, als eine Busfahrerin auf einer verkehrsarmen Kreisstraße aus unklaren Gründen einen von zwei gemeinsam fahrenden Radlern erfasste.

Darüber hinaus kam es im September an einer außerörtlichen Querung des Isarradwegs bei Geretsried zu einem tödlichen Unfall unter Beteiligung einer Radfahrerin, bei der der unfallverursachende Motorradfahrer starb. Eine Autofahrerin hatte wegen einer vom Radweg kommenden Radfahrerin gebremst, woraufhin der von hinten auflaufende Motorradfahrer zum Überholen ausscherte und die fahrbahnquerende Radfahrerin schwer verletzte. Ich erwähne diesen Fall, weil genau an der selben Querungsstelle bereits 2009 ein kreuzender Radfahrer ums Leben kam, und weil er außerdem eindrucksvoll unterstreicht, dass tödliche Kollisionen mit Fahrradbeteiligung auch außerorts vor allem beim Kreuzen und Queren aufteten (und nicht etwa beim gefürchteten Engüberholen), und dass dabei durchaus auch die beteiligten Kraftfahrer sehr schwer betroffen sein können.

Vier Todesfälle und eine Pressemeldung

Zum ersten mal seit dem Mai ’21 kamen in einem Monat wieder mehr als ein Radfahrer auf Radwegfurten durch rechtsabbiegende LKW ums Leben. Die beiden Unfallorte in Elsterwerda und Finsterwalde liegen weniger als 20 km voneinander entfernt im Landkreis Elbe-Elster. Der ADFC Brandenburg hat diese vom Zufall herbeigeführte Gelegenheit ergriffen, um gemeinsam mit zwei weiteren Todesfällen im September im Land Brandenburg unter Suggestion eines nicht vorhandenen systematischen Zusammenhanges zwischen diesen vier Fällen eine bundesweit über dpa in den Medien verbreitete Pressekampagne anzuzetteln. Ich halte die Instrumentalisierung von schweren Fahrradunfällen in der Öffentlichkeitsarbeit für fahrradfeindliches und im Hinblick auf das (mutmaßliche) Ziel der Radverkehrsförderung ausgesprochen kontraproduktives Bangemachen. Kopenhagen und Amsterdam sind nicht zu den Fahrradstädten geworden, die sie heute sind, indem nach jedem schweren Zwischenfall gleich Zeter und Mordio geschrien wurde. Im Gegenteil, das fahrradfreundliche Image der beiden ausländischen Fahrradstädte wird gerade durch das hohe Maß an Sicherheitsgefühlen bestimmt, das nicht zuletzt auch darauf beruht, dass sich Medien und NGOs offenbar ganz bewusst nach schweren Unfällen mit bluttriefenden Angstkampagnen zurückhalten.  

Wo bleibt Destatis?

In den letzten drei Jahren wurden die infolge des wachsenden Radverkehrs entgegen dem Trend bei KFZ ansteigenden Radunfallzahlen -ohne weitere Rücksicht auf die parallel überproportional ansteigende Fahrrad-Fahrleistung- in den Medien skandalisiert. ADFC, ADAC oder DVR nutzten die schlechten Zahlen für die Verbreitung von die Verkehrspolitik anprangernden Pressemitteilungen, die durch die großen Nachrichtenportale bereitwillig multipliziert wurden. In diesem Jahr dagegen herrscht hinsichtlich der aktuellen Zwischenbilanz ziemliche Funktstille. Die derzeitige Zurückhaltung von Presse und NGOs hat ihre Ursache sicherlich darin, dass die heute (1.10.2021) aktuellste Ausgabe der amtlichen Monats-Statistik auf der Destatis-Homepage noch vom März 2021 stammt. In der Vergangenheit kam das April-Update regelmäßig etwa am 25. Juli heraus, so dass mittlerweile bereits über zwei Monate „Verspätung“ bei den Monatsberichten zu verzeichnen sind. Ebenso gab Destatis in den letzten Jahren gegen Ende August eine detaillierte Halbjahresbilanz mit Angaben zu den einzelnen Verkehrsarten in Textform heraus, die in diesem Jahr ebenfall auf sich warten lässt. Woran diese Latenz liegt, lässt sich von außen nicht beurteilen. Sie ist aber insbesondere deswegen sehr bedauerlich, weil sie angesichts der überaus erfreulichen Zahlen eine gute Gelegenheit ungenutzt verstreichen lässt, mittels entsprechend positiver Berichterstattung die Öffentlichkeit weiter zum Radfahren zu motivieren. Womöglich sind aber nicht nur für NGOs und Nachrichtenportale, sondern auch für Beamte beim BMVI nur „Bad News“ wirklich berichtenswert.

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