Update November 2022

Update der Unfallsteckkarte, Update Calendar-Chart 2022, Stand 2.12.2022.

Unfallentwicklung im November 2022

Der aktuelle November war der erste Jahresmonat seit langem, in dem nicht nur der langjährige Durchschnitt übertroffen wurde, sondern gleich ein neuer Höchstwert erfasst werden musste. Gleich 38 neue Einträge kamen bis zum Redaktionsschluss am 3.12. in die Datenbank, einer mehr als im November 2015. Das Ergebnisist wohl eher ein starker Hinweis darauf, dass mittlerweile auch im November die Zahl der Radfahrer auf der Straße erfreulich hoch liegt, als Anlass zu Unkenrufen über steigende Risiken durch immer rücksichtslosere Kraftfahrer.

Jahresgang2022_monatlich

Neben 11 Todesfällen durch Gesundheitsprobleme bzw. eigene Fahrfehler ohne Einwirkung Dritter starben 3 Radfahrer an Schienenübergängen durch Kollision mit durchfahrenden Zügen. Zweimal kam es zu einem tödlichen Unfall unter Radfahrern durch Frontalzusammenstoß auf Radwegen.

monatstorte

Dem aktuellen Trend folgend liegt die Anzahl allein gestürzter Radler aufs ganze Jahr gesehen nahe dem Rekordniveau von 2019. Ebenso liegt auch die außerorts bei Kollision mit KFZ getöteten Radfahrer nahe an den bisher erfassten Jahreshöchstwerten. Vorläufig unter dem Bestwert aus dem Vorjahr bleibt allerdings erfreulicherweise die Zahl der innerorts mit KFZ-Beteiligung gestorbenen Radfahrer.

jahresgang2022

Unfälle mit KFZ

Im November 2022 gab es 22 Todesfälle zwischen KFZ und Fahrrad, wovon 14  einer Kollision mit PKW und 7 mit LKW zum Opfer fielen. Ein Radfahrer starb, als ein Traktorgespann an einer Feldwegeinmündung für einen querenden Radfahrer zurücksetzte, der den Radweg der Hauptstraße benutzte, und dabei einen weiteren hinter ihm aus einem selbständigen Radweg in den Feldweg eingefahrenen Radfahrer überrollte. Ein Radfahrer kam ums Leben, weil er entgegen der Fahrtrichtung den Seitenstreifen der Autobahn 81 benutzte und von dort aus nach rechts auf den ersten Fahrstreifen geriet, wo er frontal mit einem heranfahrenden LKW im Gegenverkehr kollidierte. Über die Gründe für dieses Manöver schweigen sich die Polizei und Presse bislang ebenso aus wie über die Identität des Toten. Die Zurückhaltung könnte auf ein besonders bizarres Suizidgeschehen hindeuten.

kfz2022

Dreimal gerieten Radfahrer unter rechts abbiegende Schwer-LKW. Damit erhöht sich die Gesamtzahl dieser Vorfälle in 2022 auf 16, was nach wie vor erheblich niedriger liegt, als die von 2013-2020 gewöhnlich registrierte Zahl dieser Hergänge.

ra2022

Zwei weitere Auffahrunfälle wurden im November registriert. Wie für diese Unfallart üblich wurden die Opfer nicht innerorts und beim Überholen mit zu wenig Seitenabstand gestreift, sondern außerorts vom mit Reisegeschwindigkeit auflaufenden KFZ-Führer ohne Reaktion mit vollem Querschnitt gerammt. Beide Unfälle passierten auf kleinen Kreisstraßen, mutmaßlich bei Verkehrsstille und bei Dunkelheit bzw. fortgeschrittener Dämmerung.kfz2022_typen

Prognose für 2022

Aufgrund der bisher nach 11 Monaten von mir erfassten Fälle, der allgemeinen Unfallentwicklung auch unter Kraftfahrzeugen, und den erfahrungsgemäß bei Durchsicht der OpenData-Files vom Destatis Unfallatlas-Portal im kommenden Sommer noch hinzukommenden Nachmeldungen für bisher übersehene Fahrrad-Todesfälle zeichnet sich ab, dass der Endwert 2022 mit insgesamt etwa 400 Todesfällen leider wieder über dem guten Ergebnis des Jahres 2021 (372) liegen, jedoch noch unter den hohen Werten aus den Vor-Coronajahren 2018 und 2019 (je 426) bleiben wird. Dies wird jedoch nicht an einem Anstieg der innerorts und mit Kraftfahrzeugbeteiligung ums Leben gekommenen Radfahrer liegen. Dieser für die Bereitschaft, im Alltag das Fahrrad als Verkehrsmittel zu nutzen, so wichtige Kennwert bleibt in etwa auf dem herausragend guten Niveau von 2021.

 

Update Oktober 2022

Update der Unfallsteckkarte, Update Calendar-Chart 2022, Stand 4.11.2022.

Unfallentwicklung im Oktober 2022

Mit 40 neuen Einträgen in die Datenbank verlief die Unfallerfassung im Oktober 2022 im Vergleich mit dem Mittel der Vorjahre nur knapp unterdurchschnittlich. Hierzu dürfte sicherlich auch die längere Periode mit spätsommerlich warmem und trockenem Wetter und die damit einhergehende verstärkte Radel-Aktivität beigetragen haben. Im Vergleich mit dem unmittelbaren Vorjahr erwies sich der Oktober 2022 allerdings mit 40 gegenüber 52 Todesfällen immer noch als deutlich ruhiger.

Jahresgang2022_monatlich

Ein gutes Drittel der Todesfälle ging im Oktober auf das Konto von Alleinstürzen. Todesfälle mit dem Schienenverkehr gab es nicht, jedoch starb ein Radfahrer in München nach der Kollision mit einem Fußgänger, der unachtsam den Radweg betreten hatte.

monatstorte

In der Jahresentwicklung bleibt es auch nach 10 Monaten beim bisher gewohnten zweigeteilten Bild: die insgesamt durchschnittliche Gesamtentwicklung resultiert aus ungewöhnlich vielen Alleinunfällen und einem weiterhin relativ regen Geschehen an außerörtlichen Unfällen mit KFZ einerseits und auffällig wenig Todesfällen mit KFZ-Gegnern innerorts andererseits.

jahresgang2022

Unfälle mit KFZ

Im Oktober 2022 gab es insgesamt 25 Todesfälle mit fahrenden KFZ. Neben 13 beteiligten PKW und 10 LKW gab es je einen tödlichen Unfall zwischen Fahrrad und Traktor bzw. Kraftrad. Entsprechend dem allgemeinen Trend lag in der Mehrheit der Fälle der Unfallschauplatz im unbebauten Freiland.

kfz2022

Obwohl im Oktober drei „Ü“-Typ-Unfälle sowie zwei LKW-Rechtsabbiegerunfälle registriert wurden, bleiben diese beiden unter meiner besonderen Beobachtung stehenden Hergangsvarianten aufs Gesamtjahr gesehen weiterhin ungewöhnlich seltene Ereignisse.

Zum ersten mal in diesem Jahr kam es zu einem Ramm-/Streifunfall innerorts. Ein LKW-Führer überholte im niedersächsischen Dorf Schapen einen Radfahrer und scherte wegen Gegenverkehrs zu früh wieder nach rechts ein. Die Unfallstelle liegt allerdings schon relativ dicht vor dem Ortsausgang, zudem herrschten kurz vor Sonnenaufgang und bei östlicher Fahrtrichtung sehr ungünstige Sichtverhältnisse.

Einer der beiden LKW-Rechtsabbiegerunfälle geschah ungewöhnlicherweise in einer Straße ohne dezidierte Radverkehrsanlage. Obwohl es nicht gänzlich auszuschließen ist, dass sich bisweilen auch ein 85-Jähriger bei roter Ampel auf der Fahrbahn rechts neben einen wartenden LKW verirrt und dann bei Grün vom gleichzeitig anfahrenden rechtsabbiegenden LKW erfasst und überrollt wird, deutet in diesem Fall der erste Anschein darauf hin, dass auch diese Kollision dadurch verursacht wurde, dass der Radfahrer nicht auf der Fahrbahn fuhr, sondern wohl den Gehweg und die tief in die Nebenstraße gezogenen Fußgängerfurt benutzt hat. Für diesen Hergang spricht insbesondere der Standort des beteiligten LKW ca. 20 m in der Nebenstraße.

kfz2022_typen

Am letzten Tag des Oktober kam es in Berlin zu einem Unglück, das bundesweit für höchste Aufregung auf allen Kanälen sorgte. Ein Betomischer rammte und überrollte auf der Bundesallee eine Radfahrerin, die drei Tage später im Krankenhaus ihren schweren Verletzungen erlag. Da die Radlerin zunächst unter dem LKW eingeklemmt war, wurde ein Spezialfahrzeug der Feuerwehr zur Bergung angefordert. Dieses Fahrzeug blieb jedoch in einem Stau stecken, der vermeintich durch die Aktion einiger Klimaschutzaktivisten ausgelöst worden war. Im Getöse um das Mitverschulden der Aktivisten am Tod der Radfahrerin ging in der Berichterstattung leider die Erörterung des genauen Unfallhergangs unter. Erschwerend für eine genaue Analyse kommt hinzu, dass die Bundesallee grundsätzlich über einen benutzungspflichtigen Radweg verfügt. Auch dieses Detail dürfte das Interesse der Öffentlichkeit am genauen Unfallhergang gedämpft haben (je nach verkehrspolitischer Grundeinstellung sei entweder die Radfahrerin selber schuld oder aber die für die unbequeme Linienführung des Radweges zuständige Verkehrsplanung des Senats verantwortlich gewesen). Meinem Eindruck der veröffentlichten Unfallfotos nach beruht der Zusammenstoß auf einem Fehler beim Spurwechsel zum Linksabbiegen. Die Kollision geschah zentral im dritten Fahrstreifen von rechts kurz vor der 2+2 Y-Gabelung der an dieser Stelle vierspurigen Bundesallee. Da die Radfahrerin mit voller Wucht von der gesamten Front des LKW erfasst sein muss, kann es sich jedenfalls nicht um ein dank Unterschreitung der geforderten seitlichen Mindestabstände gescheitertes Überholmanöver gehandelt haben.

 

Update September 2022

Update der Unfallsteckkarte, Update Calendar-Chart 2022, Stand 4.10.2022.

Unfallentwicklung im September 2022

Im Verlauf des Septembers 2022 kam es zu einer durchgreifenden Wetterumstellung, die die sommerliche Dürreperiode landesweit beendete und für nasskalte und weniger fahrradfreundliche Bedingungen sorgte. Möglicherweise deswegen war der September nach den hyperaktiven Vormonaten wieder durch eine unterdurchschnittliche Anzahl tödlicher Radunfälle gekennzeichnet. Insgesamt gab es 39 neue Einträge zu verzeichnen.

Jahresgang2022_monatlich

Rund ein Drittel der Fälle (13) war auf Alleinstürze zurückzuführen. Zwei Tote gab es an Bahnübergängen. Auf einem außerörtlichen Radweg bei Gernsheim verstarb ein Radfahrer nach der Kollsion mit einem Rennradfahrer im Gegenverkehr.

monatstorte

Im Jahresverlauf bestätigt sich das gewohnte Bild: auffällig wenigen fatalen Kollisionen mit KFZ innerhalb geschlossener Ortschaften stehen weiterhin überdurchschnittliche viele Todesopfer nach Alleinstürzen bzw. nach Kollisionen mit KFZ auf außerörtlichen Straßen und Wegen gegenüber.

jahresgang2022

Unfälle mit KFZ

Bei den insgesamt 24 Unfällen mit KFZ-Gegnern waren je 10 mal PKW bzw. LKW beteiligt. Weiterhin gab es zwei tödliche Kollisionen mit Krafträdern sowie je einen Unfall mit einem Traktor und einem Wohnmobil als Gegner. Die nur neun tödlichen Unfälle mit KFZ innerorts konnten lediglich im September 2019 um einen unterboten werden.

kfz2022

Im September 2022 gab es einen Todesfall zwischen Fahrrad und rechtsabbiegendem LKW, womit nach drei Quartalen erst insgesamt 11 tödliche Rechtsabbiegerunfälle zu Buche stehen. Ebenso gab es einen weiteren tödlichen Auffahrunfall – dem bekannten Muster zufolge bei Verkehrsstille und außerorts. Der auffahrende Transporterfahrer ließ die getroffene Radfahrerin sterbend zurück, konnte aber schon wenig später ermittelt und festgenommen werden.

kfz2022_typen

 

Update August 2022

Update der Unfallsteckkarte, Update Calendar-Chart 2022, Stand 1.9.2022.

Unfallentwicklung im August 2022

Im August 2022 gab es 59 neue Einträge in der Datenbank. Nach dem Mai 2022 stellt damit auch der August einen im Vergleich zum langjährigen Mittel deutlich hyperaktiven Jahresmonat dar. Lediglich in 2016 und 2019 ware mit 60 bzw. 67 Opfern mehr Fälle zu verzeichnen.

Jahresgang2022_monatlich

Bei der differenzierten Analyse des Jahresgangs bestätigt das aus den Vormonaten gewohnte Bild: überdurchschnittlich vielen Unfälle ohne weitere Beteiligte (30 von 59) stehen auch im August mittelmäßige Werte bei außerörtlichen bzw sehr niedrige Zahlen bei innerörtlichen Unfällen mit KFZ-Beteiligung gegenüber.

monatstorte

Anmerkung: Durch stehende Fahrzeuge induzierte Stürze werden als Typ „solo“ registriert, erhalten aber dennoch in der Datenbank das Gegner-Merkmal „KFZ“ bzw. „Fahrrad“. Im August gab es jeweils einen solchen Fall mit einem anderen Radfahrer bzw. einem stehenden PKW. Infolgedessen kommt es im August zu geringfügigen Abweichungen zwischen den einzelnen Angaben in den gezeigten Diagrammen und Tabellen.

Drei Radfahrer verunglückten im August nach Stürzen unter Beteiligung von anderen Radfahrern tödlich. Ein Radfahrer erlag an einem unbeschrankten Bahnübergang mit Drängelgitter seinen Verletzungen.

jahresgang2022

Unfälle mit KFZ

Im August 2022 starben 23 Menschen nach Kollision mit fahrenden KFZ. Neben 14 Kollisionen mit PKW gab es 7 mit LKW sowie je 1 Zusammenstoß zwischen Rennradler und Traktor auf einem Feldweg und zurücksetzendem Bagger und radelndem Vorschulkind innerhalb eines gesperrten Baustellenbereiches. Eine Radfahrerin starb darüber hinaus infolge der Kollision mit der an einem Taxistand und durch einen Taxifahrer in den Radfahrstreifen aufgestoßenen Fahrertüre. Ein Radler schließlich stürzte tödlich, nachdem er bergab fahrend die Kontrolle verlor und mit der Seite eines im Zuge eines Rangiervorganges am linken Fahrbahnrand wartenden PKW zusammenstieß.

kfz2022

Nach der, Auffahrunfälle bzw. Rechtsabbieger-Unfälle betreffend, bislang sehr erfreulichen ersten Jahreshälfte gab es im August in beiden Rubriken jeweils gleich mehrere neue Einträge zu vermerken.

kfz2022_typen

Dreimal starben Radfahrer beim Versuch, geradeaus eine Kreuzung zu passieren, während links neben ihnen ein LKW rechts abbog und sie dabei überrollte. Damit erhöht sich die Jahresbilanz von 6 auf -immer noch relativ wenige- 9 solcher Vorfälle. Einer der drei Fälle bildet dabei in zweierlei Hinsicht eine Ausnahme vom gewohnten Bild: erstens liegt der Unfallort außerorts, und zweitens war am Geschehen diesmal ausnahmsweise weder eine Radwegfurt noch eine Ampelanlage beteiligt. Vielmehr scheint der Radfahrer versucht zu haben, bei Stau auf der Hauptstraße einen wartenden LKW mit Anhänger in der Nebenstraße auf der Fahrbahn rechts zu überholen, um dann an der Kreuzung geradeaus auf den jenseits der Hauptstraße liegenden Einseiten-Zweirichtungsradweg aufzufahren. Leider fuhr der LKW-Fahrer genau in diesem Augenblick im Stop&Go wieder an und erfasste den neben ihm befindlichen Radler. 

Binnen nur 15 Tagen ereigneten sich zudem in der ersten Monatshälfte gleich 5 Auffahrunfälle zwischen Radfahrern und von hinten auflaufenden schnelleren KFZ. Entsprechend dem bekannten Muster passierten alle Auffahrunfälle auf außerörtlichen Straßen, wobei drei davon bei völliger Dunkelheit geschahen und in einem weiteren Fall die Kollision durch Schlagschatten aufgrund der im Wald frontal stehenden Sonne begünstigt worden sein dürfte. Bei der einzigen Streifkollision unter den fünf Fällen mit einem überholenden LKW in Oestinghausen könnte ein Linksabbiegemanöver des Opfers mitbeteiligt gewesen sein. Die in der Tagespresse veröffentlichten Bilder zeigen jedenfalls anhand der markierten Bremsspuren, dass der LKW offensichtlich noch versucht hatte, dem (möglicherweise auf den links liegenden Zweirichtungs-Radweg abbiegenden?) Pedelecfahrer durch einen extrem starken Linksschwenk nach links auszuweichen. Das in den Aufnahmen abgebildete Fahrrad ist augenscheinlich unbeschädigt.

Einen der Auffahrunfall-Schauplätze konnte ich dank der Nähe zu meinem Wohnort persönlich in Augenschein nehmen. Die auch noch nach mehreren Tagen deutlich vorhandenen Spuren der Unfallaufnahme weisen hier darauf hin, dass der PKW der Unfallverursacherin auf der kilometerweit geradeaus führenden Straße im Dunkeln ungebremst und ohne Lenkbewegung den ca. 30 cm links der Seitenmarkierung fahrenden Radler voll getroffen haben muss.

k-2022-08-27 12-26-29

Durch die Wucht des Anpralls wurde er und sein Fahrrad mehrere Meter nach vorne abgewiesen und durch die Luft geworfen. Das Fahrrad zerbrach dabei in mehrere Teile. Insgesamt bestätigt das Schadbild den Befund, dass tödliche Auffahrunfälle in aller Regel keine Folge von fahrlässig oder vorsätzlich unterschrittenen Vorgaben des vorgeschriebenen Sicherheitsabstandes sind, sondern auf vollständiger Nicht-Wahrnehmung des Opfers beruhen.

 

Update Juli 2022

Update der Unfallsteckkarte, Update Calendar-Chart 2022, Stand 1.8.2022.

Unfallentwicklung im Juli 2022

Im Juli 2022 wurden 52 neue Ereignisse in die Datenbank aufgenommen. Damit entspricht das vorläufige Ergebnis knapp dem Durchschnitt aus den 9 Vorjahren. Bei der Hälfte der Unfälle war kein KFZ beteiligt. Dreimal kamen Radfahrer durch Kollision mit durchfahrenden Zügen ums Leben und ebenfalls dreimal waren die Verletzungen die Folge von Zusammenstößen mit anderen Radlern auf Radwegen; darunter je ein Vorfahrtfehler, ein Frontalzusammenstoß im Gegenverkehr sowie (nicht zum ersten Mal) ein Auffahrunfall unter gemeinsam fahrenden Ehepartnern. 20 Radfahrer stürzten und verstarben außerdem ohne weitere Beteiligte aus gesundheitlichen Gründen oder nachdem sie durch Fahrfehler die Kontrolle über ihr Fahrzeug verloren hatten.

Jahresgang2022_monatlich

Damit ergibt die Entwicklung des Gesamtjahres nach dem Juli im Vergleich zu den Vorjahren ein insgesamt durchschnittliches Bild. Hervorstechend ist die weiterhin auf extrem niedrigen Niveau liegende Entwicklung bei den innerörtlichen Kollisionen mit KFZ und die knapp unter dem Rekordniveau von 2019 liegende Linie der Alleinunfälle. In den letzten Tagen sind einige Polizeidirektionen vorgeprescht und haben sich auf Basis der vorliegenden April- bzw Mai-Daten der amtlichen Unfallstatistik besorgt über die sich abzeichnende starke Zunahme der Radunfälle geäußert. Ebenso wurden auch schon entsprechende Kontrollen -natürlich, wo sonst- von Radfahrern angekündigt. Der wahrscheinlich in der allgemeinen Erholung der allgemeinen Mobilität nach den diversen verordneten und freiwillgen Pandemiebeschränkungen begründete Trend beschränkt sich bislang allerdings ausschließlich auf Alleinunfälle. Was KFZ als Gegner anbetrifft, befinden wir uns weiterhin auf dem erfreulichen Weg aus dem Vorjahr.  

jahresgang2022

Unfälle mit KFZ

Im Juni 2022 starben 26 Radfahrer nach Zusammenstößen mit den diversen Kraftfahrzeugen (19x PKW, 2x LKW, 3x Motorrad sowie 1 Radlader und 1 Gabelstapler). Innerhalb geschlossener Ortschaften wird mit 9 Gestorbenen der bisherige Juli-Bestwert aus 2016 eingestellt. Demgegenüber gab es außerorts mit 17 Opfern einen relativ hohen Wert zu beklagen.   

kfz2022

Wie üblich, entfällt die große Mehrheit der KFZ-Opfer auf 90°-Konflikte (Vorfahrtfehler, Rotlichtverstöße, Fahrbahnquerungen). Es gab zudem ein LKW-Rechtsabbieger-Opfer an einer Radwegfurt in Hamburg.

monatstorte

Im Landkreis Stendal verunglückte ein Radfahrer tödlich, indem er außerorts durch einen Radlader von hinten gerammt wurde. Letzterer wird konstruktionsbedingt sicherlich nicht mit unverträglich hoher Geschwindigkeit unterwegs gewesen sein. Möglicherweise wurde der Unfall dadurch begünstigt, dass der Fahrer nicht beachtet hatte, dass bei einer Überführungsfahrt die angehobene große Schaufel die Sicht nach vorne ganz oder teilweise entscheidend einschränkt.

Drei Radfahrer verstarben außerorts durch Kollisionen mit parallel fahrendem Schnellverkehr auf der Landstraße nach unachtsamem Abbiegen vom straßenbegleitenden Radweg in die Nebenstraße.

kfz2022_typen

Gleich 5 Todesfälle gingen im Juli auf das Konto von PKW-Führern, die völlig die Kontrolle über ihre Fahrzeuge verloren hatten (1x Rangierunfall auf Parkplatz, je 1x Rammstoß nach Schleudern über Radweg bzw Fahrbahn, 2x Schleudern in den Gegenverkehr). Diese fatalen Ereignisse unterstreichen offensichtlich und mehr noch als die üblichen „normalen“ Fahrradunfälle an Kreuzungen und Einmündungen, dass Verkehrssicherheit keine Frage des Antriebsprinzips möglicher Opfer ist. Alle diese Unfälle hätten grundsätzlich auch mit anderen Kraftfahrzeugen (z.B. Motorrädern) oder Fußgängern als Opfer passieren können. Fahrrad-Infrastruktur ist weder notwendig noch hinreichend, um solche Tragödien zu verhindern. Verkehrssicherheit ist unseparierbar.

 

Destatis Unfallatlas 2021

Am 15.7.2022 erfolgte die diesjähige Ergänzung des Datenbestandes im Unfallatlas-Portal. Am Interface sowie an Art und Zusammensetzung der Daten hat sich nichts geändert, weswegen diesbezüglich auf die Diskussion dazu in den Beiträgen zu den Jahrgängen 2019 und 2020 verwiesen werden kann.

Die neuen Daten wurden entsprechend dem Muster der Vorjahre nach Radunfällen gefiltert und den beiden auf dem Unfallatlas basierenden QGIS-Karten (alle Streif- oder Auffahr-Unfälle im Längsverkehr kumuliert ab 2016 bzw. alle Unfälle mit schwer oder tödlich Verletzten kumuliert ab 2016) hinzugefügt.

Analyse der tödlichen Fahrradunfälle

Das csv-File für 2021 enthält 324 Einträge der Kategorie 1 (Unfall mit Toten) in Kombination mit dem Merkmal „IstRad=1“ (Unfall mit Fahrradbeteiligung). Die Abnahme gegenüber dem Vorjahr (minus 43) entspricht im Trend grob dem Rückgang der vom Statistischen Bundesamt genannten Gesamtzahl tödlich verunglückter Radfahrer (Rückgang von 426 auf 372, minus 54). Wie auch schon in den beiden Vorjahren liegt die Quote der im Vergleich zur amtlichen Unfallstatistik nicht in der Datenbank enthaltenen Unfallereignisse bei etwa 15%. Von der Untererfassung, die u.a. durch mangelhafte Qualität der erhobenen GPS-Koordinaten im Zuge der Unfallaufnahme bedingt ist, sind aber alle drei Schwerekategorien (leicht, schwer, tödlich) beim Nachrechnen in etwa in gleicher Höhe betroffen. Schwere bzw tödliche Unfälle werden somit in dieser Hinsicht weder besser noch schlechter dokumentiert als leichte.

Die Orte der Todesfälle 2021 habe ich im QGIS-Kartenprogramm wie in den Vorjahren mit den in 2021 von mir bereits erfassten Unfallorten auf der Deutschlandkarte überlagert und alle Punkte registriert, für die in der nähren Umgebung kein Symbol für einen Eintrag in meiner Datenbank vorhanden war. Nach Ausschluss der wenigen Fälle, bei denen die Online-Recherche anzeigte, dass ein anderer Verkehrsteilnehmer (Fußgänger, Motorradfahrer) nach Zusammenstoß mit einem Radfahrer schwer verletzt und getötet worden war, verblieben 74 Neueinträge mit gestorbenen Radfahrern.

Welche Unfälle entgingen der laufenden Erfassung?

Wie in den Vorjahren entgingen auch in 2021 vorwiegend tödliche Alleinunfälle und Vorfahrtkonflikte der Erfassung über die tägliche Netzrecherche. Für 27 der 74 nacherfassten Ereignisse lässt sich bislang zum angegebenen Unfallort auch nachträglich keinerlei Online-Meldung über ein schwerwiegendes Ereignis ausfindig machen, wobei allerdings nur 8 Einträge Unfälle mit mehr als einem Beteiligten betreffen. Für die anderen 37 Fälle konnte eine für Termin und Ort passende Unfallmeldung gefunden werden, so dass hier die im OpenData-Bestand des Unfallatlas fehlenden Parameter wie z.B. Alter der Beteiligten, Pedelec-Nutzung, genauer Hergang und Unfallschuld nachgetragen werden konnten.

Ergebnis der Nacherfassung

Die folgende Abbildung zeigt die Verteilung der Unfalltypen und Unfallgegner bei der Nacherfassung. Die Unfälle sind mit den Indexnummern 21-346 bis 21-420 in die Gesamttabelle aufgenommen worden. 30 von 74 neuen Einträgen betrafen Unfälle ohne weitere Gegner. Unter den Unfällen mit weiteren Beteiligten fällt die überraschend hohe Zahl von 7 fatalen Kollisionen unter 2 Radfahrern auf. Unter den Unfällen mit KFZ war die Mehrzahl auf Fehler bei Vorfahrt oder Fahrbahnquerungen zurückzuführen. In 2021 gab es 4 Nachmeldungen, die Auffahrunfälle mit PKW betrafen, 3 davon außerorts und 1 innerorts.

nachmeldungen2021

Insgesamt entspricht der Mix an Unfallhergängen unter Berücksichtigung der durch die kleinere Stichprobe zu erwartenden Schwankungen den Relationen, die aus den Vorjahren bzw. durch die Erfassung aus der Tagespresse bekannt sind, so dass es weiterhin keinen Grund für die Annahme gibt, dass bestimmte Unfalltypen dem Augenmerk der Öffentlichkeit in besonderer Weise verborgen blieben.

Für ergänzende Hinweise zu den Ereignissen, die lediglich im Unfallatlas-OpenData-Bestand gelisteten sind, bin ich jederzeit dankbar. Zur vereinfachten Durchsicht füge ich wie im Vorjahr einen Link zu einer Tabelle mit den entsprechenden „Orphan“-Einträgen ohne weitere Online-Quelle hier an.

Update Juni 2022

Update der Unfallsteckkarte, Update Calendar-Chart 2022, Stand 1.7.2022.

Unfallentwicklung im Juni 2022

Der Juni 2022 brachte nach dem leider sehr ereignisreichen Mai wieder ein leicht unterdurchschnittliches Aufkommen an tödlichen Radunfällen. Das ohnehin deutlich überdurchschnittliche Ergebnis aus dem Mai wurde dagegen noch durch gleich vier Meldungen verschlimmert, die erst nach dem Anfang Juni verfassten letzten Blogbeitrag erschienen.

Insgesamt wurden für den Juni 44 neue Einträge erfasst, wodurch sich die mit wenigen Ausnahmen (2018, 2019, 2021) auch in den meisten Vorjahren sichtbare Juni-Delle im Verlauf der Jahreskurve auch in 2022 wieder recht deutlich abzeichnet. 

Jahresgang2022_monatlich

Die Mehrheit der im abgelaufenen Monat registrierten Todesfälle betraf Alleinstürze (23 von 44). In 2 weiteren Fällen, die vorerst mangels eindeutiger amtlicher Aussage noch als „unklar“ eingestuft sind, spricht den Pressemeldungen zufolge darüber hinaus ebenfalls vorläufig nichts für die Annahme, am Sturz des verstorbenen Radlers seien Dritte beteiligt gewesen. Hier bleibt bis zur Veröffentlichung der Opendata im Destatis Unfallatlas-Portal im Sommer 2023 abzuwarten, wie diese Vorfälle durch die Polizei abschließend bewertet wurden. Während bei gleich drei Unfällen im Juni 2022 andere Radfahrer als Gegner beteiligt waren, blieben fatale Kollisionen mit dem Schienenverkehr in diesem Monat aus.

jahresgang2022

Unfälle mit KFZ

Dem gegenwärtigen allgemeinen Trend folgend  waren auch im Juni 2022 vergleichsweise wenige tödliche Zusammenstöße mit Kraftfahrzeugen zu verzeichnen. Insgesamt passierten 16 der 44 erfassten Todesfälle unter Beteiligung von KFZ (9 außerorts, 7 innerorts). Sowohl im innerörtlichen als auch im außerörtlichen Sektor stellt der Juni 2022 damit die zweitwenigsten für diesen Jahresmonat bisher registrierten Werte. Gleichzeitig deutet die enorme Anzahl an Alleintodesfällen darauf hin, dass die Radfahraktivität im Juni 2022 durchaus ansehnlich gewesen sein muss. Neben 11 PKW waren 4 LKW sowie ein „Bürgerbus“ beteiligt.

kfz2022

Die Mehrheit der tödlichen Rad-KFZ-Unfälle stellten wie üblich die 90°-Vorrangkonflikte (6x Vorfahrtfehler, 2x Fahrbahnquerung).

Einer der PKW-Todesfälle kam nicht durch Kontakt mit dem Fahrverkehr zustande und geht auf „Dooring“ zurück. In Hannover wurde ein Radler durch die unvermittelt vor ihm aufgestoßene Fahrertür zu Fall gebracht und tödlich verletzt. Wenngleich dieses Szenario in der Presse sowohl nach konkreten Unfällen als auch im Kontext der Berichterstattung über die Sicherheit von Radstreifen relativ viel Aufmerksamkeit erhält, bleibt anzumerken, dass es insgesamt keine besonders schwere Rolle im Unfallgeschehen darstellt. Dooring (mit und ohne markierte Streifen) stellte bislang in den knapp 10 Jahren meiner Beobachtung erst 28-mal die Ursache eines tödlichen Radunfalles. In der großen Mehrzahl der Fälle kam es zum Kontakt mit der Fahrertüre auf Fahrbahnen ohne weitere Streifenmarkierungen. Häufig waren verkehrsarme Nebenstraßen Schauplatz dieser Ereignisse.

Am 22.6. kam es zu einem Todesfall vom „Toter-Winkel“-Szenario zwischen rechtsabbiegendem LKW und einer auf dem Radweg geradeaus fahrenden Radlerin in Krefeld. Nach einer nahezu drei Monate dauernden Pause ereigneten sich schließlich im Juni erstmals wieder zwei tödliche Auffahrunfälle – wie für diesen Hergang üblich bei Verkehrsstille unter ungünstigen Lichtverhältnissen und durch volles Rammen auf außerörtlichen Straßen.

kfz2022_typen

(Ergänzung 4.7.2022) Am 12.6.2022 kam es in Mannheim zur Tötung einer Radfahrerin durch einen PKW-Fahrer. Ebenso wurden 2 weitere Radfahrer lebensgefährlich und ein Dritter schwer verletzt. In den ersten Berichten wurde der Eindruck erweckt, dass der vor der Polizei flüchtende PKW-Fahrer beim Versuch, sich durch zu schnelles und rücksichtsloses Fahren der Verfolgung zu entziehen, in die sich zufällig auf seinem Fluchtweg befindende „Radfahrergruppe“ geraten sei. Tatsächlich handelte es sich aber auch in diesem weitesten Sinne nicht um einen „Verkehrsunfall“, sondern um kaltblütig verübten Mord:  erstens war dem Autofahrer, der sich nach dem davor verübten Mord an seinem eigenen Vater im 20km entfernten Ellerstadt mit der Limousine seiner Mutter abgesetzt hatte, zum Zeitpunkt der Kollisionen keineswegs die Polizei unmittelbar auf den Fersen, und zweitens gab es auch die erwähnte „Radfahrergruppe“ nicht. Vielmehr fuhr der psychisch kranke Täter auf einer Gesamtstrecke von immerhin 1,5 km nacheinander und unabhängig voneinander seine Opfer mit vollem Vorsatz im Stile eines Videospielers gezielt über den Haufen. Infolgedessen wird das tragische Ereignis seitens der Behörden zu Recht nicht als Verkehrsunfall registriert. Da solche „Freak“-Ereignisse auch für die Analyse der generellen Radverkehrssicherheit keine Rolle spielen dürfen, wird wie bei ähnlichen Vorfällen in der Vergangenheit das Ereignis auch nicht in meiner Datenbank eingetragen.

 

Update Mai 2022

Update der Unfallsteckkarte, Update Calendar-Chart 2022, Stand 1.6.2022.

Unfallentwicklung im Mai 2022

Der Mai 2022 ist der erste Monat seit September 2020 mit einem deutlich über dem langjährigen Mittel liegenden Wert an Fahrrad-Todesfällen. Insgesamt gab es 49 neue Einträge in der Datenbank, wovon allerdings 25 auf Alleinstürzen ohne Fremdbeteiligung beruhten. Eine weitere Radfahrerin verstarb nach einem Frontalzusammenstoß mit einer zweiten Radlerin auf einem Radweg. Eine Radfahrerin schließlich verunglückte tödlich an einem unbeschrankten Bahnübergang bei Wesel, der, nachdem 2020 ein PKW von einer Lok gerammt wurde und die drei Insassen getötet worden waren, gerade erst durch die Gemeinde mit Modalfilter-Pollern für mehrspurige KFZ gesperrt worden war.

Jahresgang2022_monatlich

Die im Vergleich zum Vorjahr auf fast das Doppelte erhöhte Anzahl an tödlich verunglückten Radfahrern im Mai gibt einen Hinweis darauf, dass sich zusätzlich zum Beginn der sommerlichen Fahrradsaison mit dem Ende der meisten Beschränkungen im April nun auch die pandemiebedingt eingeschränkte Mobilität wieder normalisiert. Ein grundsätzlich ähnlicher Trend zeichnet sich nach den bis März vorliegenden Daten von Destatis auch schon für die allgemeine Unfallentwicklung ab. Gleichzeitig bedeutet die nach wie vor unterdurchschnittliche Anzahl an Opfern zwischen KFZ und Fahrrädern (s.u.), dass das aktivere Mobilitätsverhalten -insbesondere innerorts- nicht mit einem entsprechend wachsenden Risiko für einen fatalen Zusammenstoß zwischen Fahrrad und KFZ verknüpft ist.

jahresgang2022

Unfälle mit KFZ

Insgesamt 22 bei Kollision mit fahrenden KFZ tödlich verunglückte Radfahrer waren im Mai 2022 zu verzeichnen. Innerhalb geschlossener Ortschaften wurde dabei mit sieben Opfern der bisherige Bestwert für den Zeitraum ab 2013 vom Mai 2021 eingestellt, während die Summe von 14 außerorts umgekommenen Radfahrern eher im oberen Bereich der Vorjahre angesiedelt ist (schlechtestes Ergebnis 2019 mit 17). In einem Fall ist die Ortslage des Unfallortes unklar, da die im Polizeibericht genannte Straße über den Ortsrand läuft und die Meldung (wie bei der Polizei im dörflichen Sachsen-Anhalt leider üblich) zudem keine weiteren Details zum Hergang nennt. Der langfristige Trend zur Verlagerung der tödlichen Fahrradunfälle aus den Städten ins Freiland ist damit jedenfalls ungebrochen stabil.

ratio_i_a

Fünfzehn Radler starben bei Zusammenstößen mit PKW, 4 mit LKW und je 1 mit Bus, Motorrad und Elektro-Scooter. Der Unfall unter Scooter-Beteiligung ist der erste Fahrrad-Todesfall mit einem Fahrzeug aus dieser noch nicht allzu lange in Stückzahlen auf der Straße präsenten Klasse. Anzumerken ist hierbei, dass die tödlichen Verletzungen letztlich daraus resultierten, dass der Radfahrer an einer Kreuzung durch die Frontalkollision mit dem ihm verbotswidrig links fahrend in der Nebenstraße entgegenkommenden Scooter auf die Fahrbahn der Hauptstraße stürzte und dort von einem mit Landstraßengeschwindigkeit durchfahrenden Motorrad überrollt und getötet wurde. Nichtsdestoweniger wurde, wie in allen gleichartig gelagerten Fällen bislang auch, die Verkehrsart des Unfallauslösers als Gegner in die Unfalltabelle übernommen.

kfz2022

Im Mai 2022 kamen wie auch schon im April diesen Jahres keine Radfahrer bei Auffahrunfällen durch Rammen oder Streifen von hinten ums Leben. Der letzte derartige Fall liegt heute (1.6.) mittlerweile 10 Wochen zurück. Demgegenüber gab es diesmal gleich drei Todesfälle mit über Radführungen rechts abbiegenden Groß-KFZ (1 Bus, 2 LKW). Unter den 15 Unfällen mit PKW-Beteiligung waren 9 Fälle von 90°-Vorrang-Konflikten (Vorfahrt/Fahrbahnquerung), die alle der Spurenlage zufolge durch die beteiligten Radler selber ausgelöst wurden. Vier PKW-Opfer verunglückten beim Linksabbiegen mit einem in gleicher Richtung von hinten kommenden Auto (2x vom rechten Radweg aus, 2x Fahrbahn nutzend).

Erneut kam es binnen Monatsfrist zu zwei weiteren Fällen von Kontrollverlust auf Seiten des Autofahrers, der dadurch von der Fahrbahn abkam und anschließend mit Radlern auf dem Radweg kollidierte. Die Zahl der im Jahr 2022 durch solch ein Ereignis getöteten Radfahrer beläuft sich somit auf insgesamt 6, was um 2 über der Summe von Radlern liegt, die bislang in diesem Jahr durch Auffahrunfälle von hinten auf der Fahrbahn getötet wurden…

kfz2022_typen

Update April 2022

Update der Unfallsteckkarte, Update Calendar-Chart 2022, Stand 1.5.2022.

Unfallentwicklung im April 2022

Im April 2022 ereigneten sich in Deutschland insgesamt 26 tödliche Unfälle unter Beteiligung von Radfahrern. Trotz der durchweg durchaus fahrradfreundlichen Witterungsbedingungen reiht sich der April damit unter dem langjährigen Durchschnitt ein.

Jahresgang2022_monatlichDer Blick auf die drei großen Bereiche Alleinunfälle, KFZ-Unfälle innerorts und KFZ-Unfälle außerorts zeigt, dass vor allem der hohe Anteil an Alleinunfällen maßgeblich dazu beiträgt, dass das Monatsergebnis nicht noch günstiger erscheint. Insgesamt 13 Radnutzer und damit genau die Hälfte der Opfer starben ohne Einwirkung weiterer Beteiligter. Zwei weitere Radfahrer starben ohne KFZ-Beteiligung im April 2022 an Bahnübergängen.

jahresgang2022

Unfälle mit KFZ

Durch Kollision mit KFZ kamen im April insgesamt 11 Personen ums Leben, wovon nur 3 innerhalb geschlossener Ortschaften nach Kontakt mit fahrenden KFZ starben. Hinzu kommt ein innerörtlicher KFZ-Unfall in Deggendorf am 23.4., bei dem die verstorbene Pedelecfahrerin bergab gegen den Rückspiegel eines betriebsbedingt auf der Fahrbahn haltenden Post-Transporters geriet und schwer stürzte. Im innerörtlichen Sektor wird damit der Bestwert aus dem Vorjahr erneut unterboten, während die Ereignisse im Freiland „nur“ guter Durchschnitt sind. Besonders gegenüber dem April 2020, als gefühlt halb Deutschland während des ersten Lockdowns mit dem Fahrrad zu Ausflügen ins Grüne aufbrach, hat sich die Opferzahl außerorts aber wieder deutlich verringert. 

kfz2022

Tote-Winkel-Unfälle immer seltener

Im April gab es weder tödliche Auffahr- bzw. Streifunfälle noch Todesfälle durch rechtsabbiegenden Schwer-LKW-Verkehr. Ein Rechtsabbieger-Unglück gab es dennoch am 10.4. in Potsdam. Allerdings ist dieser Fall in gleich dreierlei Hinsicht außergewöhnlich: erstens fand er ausnahmsweise an einem Sonntag statt, während sich Rechtsabbiegerunfälle ansonsten auf die Werktage Montag bis Freitag beschränken. Zweitens war das unfallverursachende Fahrzeug kein großer LKW über 7,5 Tonnen, sondern ausnahmsweise ein kleiner Transporter der Sprinter-Klasse. Und drittens schließlich war die Lenkerin des Unfallfahrzeugs ausnahmsweise weiblich.

Damit erhöht sich in diesem Jahr nach einem Drittel die Zahl der Opfer durch das „Tote-Winkel-Szenario“ auf zwei.  Die bereits in 2021 zu beobachtende Tendenz, dass diese Unfallart immer seltener wird, setzt sich letztlich auch im Jahr 2022 damit vorläufig ungebrochen fort.

kfz2022_typen

Risiko von Rennradfahrern auf der Landstraße

Rennradfahrer besitzen ein von der übrigen Radfahrerschaft sehr deutlich abweichendes Profil für die Nutzung ihre Fahrzeuge. Sie sind bei ihren Trainingsfahrten vor allem auf außerörtlichen Straßen unterwegs, während Alltagsfahrer vorwiegend innerörtliche Ziele anstreben. Die weitaus höhere KFZ-Geschwindigkeit bedingt bei einer Unfallkollision ein erhöhtes Risiko für schwere oder gar tödliche Verletzungen. Anders als der ebenfalls vorwiegend außerorts verkehrende schon etwas betagtere Pedelec-Ausflügler selektieren Rennradler zudem ihre Strecken aber auch nicht danach, dass es ausgebaute Radwege entlang der Straße gibt. Im Gegenteil, viele trainierende Rennradler suchen sich ganz bewusst radwegfreie Strecken aus, um damit Konflikten mit maßregelnden Autofahrern und Folgeprobleme, die sich aus der Radwegenutzung erfahrungsgemäß ergeben, aus dem Wege zu gehen. Auch das nicht von KFZ befahrene Feld- und Waldwegenetz wird in der Regel von Rennradnutzern strikt gemieden. Gleichzeitig ist aufgrund der oft ganzjährig praktizierten, regelmäßigen und längeren Trainingsfahrten die Expositionszeit pro Person gegenüber dem übrigen Verkehr im Vergleich zu nur gelegentlich während der vermeintlichen „Fahrradsaison“ ins Freiland ausschwärmenden Ausflüglern deutlich erhöht.

Infolge all dieser Voraussetzungen mag sich mancher die Frage stellen, ob die außerörtliche Fahrbahnbenutzung mit dem Rennrad mit einem spürbar erhöhten Risiko für das Erleiden eines schweren Auffahrunfalles einhergeht.

Was sagt die Statistik?

Stand heute (12.4.22) habe ich insgesamt exakt 4.000 tödliche Radunfälle seit dem Beginn der systematischen deutschlandweiten Erfassung 2013 registriert und ausgewertet. 234 davon (5,8%) betrafen Auffahr- und Streifunfälle durch KFZ von hinten auf der Fahrbahn (Typ „Ü“). Anhand der Luftbilder vom Unfallort konnte für 196 das Kriterium „außerorts“ festgelegt werden. Sofern bei einem Auffahrunfall das Opfer erkennbar zu Rennrad-sportlichen Zwecken unterwegs war (Kriterien: Fahrrad mit Rennlenker, ohne Gepäckträger bzw. Schutzbleche, sportliche Kleidung) habe ich dies in meiner Datenbank als „RRF“ (Rennradfahrer) vermerkt. Dieses Merkmal trifft für knapp ein Zehntel (19 von 196) der außerörtlichen „Ü“-Opfer zu. Es ist nicht völlig unmöglich, aber aufgrund der i.d.R ausführlichen (Bild-)Berichterstattung nach außerörtlichen Auffahrunfällen wenig wahrscheinlich, dass sich in der Gruppe der Nicht-Rennradopfer noch eine geringe Anzahl übersehener Rennradnutzer befindet.

Wer sind die Gegner?

In aller Regel handelt es sich beim Auffahrer um den Lenker eines PKW (16 Fälle). Ein Rennradfahrer wurde bei Dunkelheit von einem Linienbus erfasst und zwei tödliche Kollisionen gab es mit kleinen LKW der „Sprinter“-Klasse bis 3,5 t. Tödliche „Ü“-Typ Unfälle zwischen auffahrenden schweren LKW und Rennradnutzern gab es gar nicht.

Gibt es erschwerende Umstände?

Wie grundsätzlich bei außerörtlichen Auffahr-/Streifunfällen von hinten, besteht auch bei Rennradfahrern eine stark erhöhte Unfallwahrscheinlichkeit bei Dunkelheit, Dämmerung und frontal tiefstehender Sonne. 10 der 19 „RRF“-Fälle ereigneten sich bei diesen ungünstigen Sichtbedingungen, darunter 3x Dunkelheit, 2x fortgeschrittene Dämmerung und 5x frontal tief stehende Sonne. Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass im mittlerweile gut 9 Jahre währenden Untersuchungszeitraum lediglich 9 Todesfälle (also im Mittel weniger als 1 pro Jahr) von RRF deutschlandweit bei vollem Tageslicht durch auffahrende KFZ bedingt waren.

Rolle der Radwege-Missachtung?

Bei der Auswertung der Unfallörtlichkeiten über die in Presseberichten eingebundenen Texte und Fotos sowie durch Analyse des Kartenmaterials vom Unfallort stelle ich regelmäßig fest, ob am Ort des Geschehens bereits eine Radverkehrsanlage existierte. Sofern dies der Fall ist, und der betroffene Radfahrer den vorhandenen Radweg nicht benutzt hat, vermerke ich diesen Umstand im Kommentar-Feld der Datenbank. Rennradler stehen im Verdacht, Radwege ganz bewusst zu meiden. Die Frage ist, ob dieses Verhalten mit einem erhöhten spezifischen Risiko für einen Auffahrunfall einhergeht. Nach Auswertung der gesammelten Daten ist dies allerdings wohl eher nicht der Fall. Zwar gab es bei 5 der 19 Todesfälle neben der Fahrbahn einen begleitenden Radweg. Dieser Anteil ist im Vergleich mit der Stichprobe der „Ü“-Unfälle mit anderen Fahrrädern deutlich erhöht. Allerdings lag in zwei der Fälle das bauliche Ende des Radweges in unmittelbarer Umgebung (20-50m) der Kollisionsstelle, so dass hier eine Beteiligung der Radwegemissachtung an der Entstehung des Auffahrunfalles logisch wenig plausibel erscheint. Da „Ü“-Unfälle regelmäßig bei Verkehrsstille und ohne weitere Zeugen passieren, und die auffahrenden Kraftfahrer ebenso regelmäßig von der Anwesenheit des gleichsam aus dem Nichts erscheinenden Radfahrers überrascht werden, lässt sich mangels Zeugen im Nachhinein auch nicht ausschließen, dass die Kollsion in Wahrheit gar nicht durch die Radwegemissachtung selbst, sondern im Gegenteil durch das Manöver des Radwege-bedingten Straßenteilwechsels veranlasst war.

Schließlich war in einem weiteren der fünf Fälle von Radwegemissachtung ein Mitglied einer aus 8 Radlern bestehenden österreichischen Trainingsgruppe betroffen, die im grenznahen Raum auf deutscher Seite aufgrund der inzwischen hereingebrochenen Dunkelheit und wegen mangelhafter Ortskenntnis den Aussagen der überlebenden Begleiter zufolge die Auffahrt auf den etwas von der Fahrbahn abgesetzten vorhandenen Radweg verpasst hatten.

Insgesamt entspricht der Verdacht, Radwegemissachtung würde einer leichtsinnigen Herausforderung seines Schicksales gleichkommen, weil dieses Verhalten zwangsläufig zu Auffahrunfällen führen müsse, angesichts der hohen Anzahl entsprechender Verstöße und der gleichzeitig extrem niedrigen Unfallzahl offensichtlich nicht der Wirklichkeit.

Risikofaktor Nebeneinanderfahren?

Auffällig oft -verglichen mit dem Kollektiv der übrigen Opfer- werden RRF, die zu zweit oder in größeren Gruppen unterwegs sind, zum Opfer von „Ü“-Unfällen. Bei 4 der 19 Todesfälle waren zwei Radfahrer oder mehr auf der Fahrbahn gemeinsam unterwegs. Diese Quote überrascht nicht, weil Rennradfahrer gerne in Gruppen trainieren und daher auch proportional oft als Gruppenmitglieder an Auffahrunfällen beteiligt sein sollten. Für den Fall, dass sie nicht im Windschatten hintereinander herfahren, sondern gesellig plaudernd nebeneinander unterwegs sind, erhöht jedoch außerdem die weiter zentral liegende Fahrlinie des linken Radlers geringfügig die Wahrscheinlichkeit dafür, dass ein abgelenkter oder übermüdeter Autofahrer ohne Reaktion von hinten in den links fahrenden Radler einschlagen kann.

Fazit

Unter Berücksichtigung des Umstandes, dass Trainingsfahrten mit dem Rennrad wohl zu einem noch weit höheren Anteil als außerörtliche Alltagsfahrten auf die Tageslichtstunden gelegt werden, in Verbindung mit der Tatsache, dass unter dieser äußeren Bedingung deutschlandweit lediglich ein tödlicher Unfall jährlich zu verzeichnen ist, muss man konstatieren, dass das Risiko eines fatalen Auffahrunfalles bei der üblichen Rennrad-Nutzung bei gutem Tageslicht vernachlässigbar gering ist.

Das demgegenüber leicht erhöhte Risiko, bei Dunkelheit und anderen ungünstigen Sichtbedingungen als Rennradler zum Opfer eines Auffahrunfalles zu werden, lässt sich mindestens teilweise durch das rechtzeitige Einschalten einer hoffentlich vorhandenen hellen aktiven Beleuchtung kompensieren. Gegen die Sorge, dass unachtsame Autofahrer das vor ihnen auf der Fahrbahn befindliche Fahrzeug -auch unabhängig von den herrschenden Lichtverhältnissen- übersehen, schützt zu jeder Tageszeit auch die Wahl einer entsprechend weit außen liegenden Fahrlinie (auf oder rechts von der Fahrbahnbegrenzung). Der im Netz in Radsportforen kursierende Rat, durch Einhalten der „Center Position“ (also einer Fahrlinie näher an der Fahrspurmitte) den rückwärtigen Verkehr zu größeren Überholabständen zu veranlassen, ist (wenn überhaupt) nur innerorts eine sinnvolle Strategie.

Außerhalb geschlossener Ortschaften wird das Unfallgeschehen im Längsverkehr aber ganz offensichtlich nicht mehr durch rücksichtsloses bewusstes Durchmogeln seitens sich ausgebremst fühlender Kraftfahrer bestimmt. Vielmehr handelt es sich -auch bei den Auffahrunfällen unter Rennrad-Beteiligung- ganz überwiegend um die sehr seltenen Fälle, in denen die beteiligten Kraftfahrer offensichtlich das voraus befindliche Fahrzeug überhaupt nicht wahrgenommen hatten und daher mit voller Reisegeschwindigkeit und hoher Querschnittsüberdeckung ungebremst ins Hinterrad des Radfahrers einschlugen. Folglich ist es für die ängstlicheren Gemüter zur Minimierung des ohnehin kleinen Restrisikos sinnvoll und hinreichend, den Fahrbahnbereich, in dem betrunkene bzw. übermüdete Fahrer oder sonstige abgelenkte Traumtänzer vorkommen könnten, einfach zu meiden. Dafür braucht es aber keinen Radweg, sondern lediglich die Fähigkeit, sein Rad ohne größere Schwankungen am Rand geradeaus steuern zu können. Gerade beim Rennrad ist dies wegen der höheren Spurstabilität beim schnellen Rennradtempo ganz besonders einfach.