Update Juni 2022

Update der Unfallsteckkarte, Update Calendar-Chart 2022, Stand 1.7.2022.

Unfallentwicklung im Juni 2022

Der Juni 2022 brachte nach dem leider sehr ereignisreichen Mai wieder ein leicht unterdurchschnittliches Aufkommen an tödlichen Radunfällen. Das ohnehin deutlich überdurchschnittliche Ergebnis aus dem Mai wurde dagegen noch durch gleich vier Meldungen verschlimmert, die erst nach dem Anfang Juni verfassten letzten Blogbeitrag erschienen.

Insgesamt wurden für den Juni 44 neue Einträge erfasst, wodurch sich die mit wenigen Ausnahmen (2018, 2019, 2021) auch in den meisten Vorjahren sichtbare Juni-Delle im Verlauf der Jahreskurve auch in 2022 wieder recht deutlich abzeichnet. 

Jahresgang2022_monatlich

Die Mehrheit der im abgelaufenen Monat registrierten Todesfälle betraf Alleinstürze (23 von 44). In 2 weiteren Fällen, die vorerst mangels eindeutiger amtlicher Aussage noch als „unklar“ eingestuft sind, spricht den Pressemeldungen zufolge darüber hinaus ebenfalls vorläufig nichts für die Annahme, am Sturz des verstorbenen Radlers seien Dritte beteiligt gewesen. Hier bleibt bis zur Veröffentlichung der Opendata im Destatis Unfallatlas-Portal im Sommer 2023 abzuwarten, wie diese Vorfälle durch die Polizei abschließend bewertet wurden. Während bei gleich drei Unfällen im Juni 2022 andere Radfahrer als Gegner beteiligt waren, blieben fatale Kollisionen mit dem Schienenverkehr in diesem Monat aus.

jahresgang2022

Unfälle mit KFZ

Dem gegenwärtigen allgemeinen Trend folgend  waren auch im Juni 2022 vergleichsweise wenige tödliche Zusammenstöße mit Kraftfahrzeugen zu verzeichnen. Insgesamt passierten 16 der 44 erfassten Todesfälle unter Beteiligung von KFZ (9 außerorts, 7 innerorts). Sowohl im innerörtlichen als auch im außerörtlichen Sektor stellt der Juni 2022 damit die zweitwenigsten für diesen Jahresmonat bisher registrierten Werte. Gleichzeitig deutet die enorme Anzahl an Alleintodesfällen darauf hin, dass die Radfahraktivität im Juni 2022 durchaus ansehnlich gewesen sein muss. Neben 11 PKW waren 4 LKW sowie ein „Bürgerbus“ beteiligt.

kfz2022

Die Mehrheit der tödlichen Rad-KFZ-Unfälle stellten wie üblich die 90°-Vorrangkonflikte (6x Vorfahrtfehler, 2x Fahrbahnquerung).

Einer der PKW-Todesfälle kam nicht durch Kontakt mit dem Fahrverkehr zustande und geht auf „Dooring“ zurück. In Hannover wurde ein Radler durch die unvermittelt vor ihm aufgestoßene Fahrertür zu Fall gebracht und tödlich verletzt. Wenngleich dieses Szenario in der Presse sowohl nach konkreten Unfällen als auch im Kontext der Berichterstattung über die Sicherheit von Radstreifen relativ viel Aufmerksamkeit erhält, bleibt anzumerken, dass es insgesamt keine besonders schwere Rolle im Unfallgeschehen darstellt. Dooring (mit und ohne markierte Streifen) stellte bislang in den knapp 10 Jahren meiner Beobachtung erst 28-mal die Ursache eines tödlichen Radunfalles. In der großen Mehrzahl der Fälle kam es zum Kontakt mit der Fahrertüre auf Fahrbahnen ohne weitere Streifenmarkierungen. Häufig waren verkehrsarme Nebenstraßen Schauplatz dieser Ereignisse.

Am 22.6. kam es zu einem Todesfall vom „Toter-Winkel“-Szenario zwischen rechtsabbiegendem LKW und einer auf dem Radweg geradeaus fahrenden Radlerin in Krefeld. Nach einer nahezu drei Monate dauernden Pause ereigneten sich schließlich im Juni erstmals wieder zwei tödliche Auffahrunfälle – wie für diesen Hergang üblich bei Verkehrsstille unter ungünstigen Lichtverhältnissen und durch volles Rammen auf außerörtlichen Straßen.

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(Ergänzung 4.7.2022) Am 12.6.2022 kam es in Mannheim zur Tötung einer Radfahrerin durch einen PKW-Fahrer. Ebenso wurden 2 weitere Radfahrer lebensgefährlich und ein Dritter schwer verletzt. In den ersten Berichten wurde der Eindruck erweckt, dass der vor der Polizei flüchtende PKW-Fahrer beim Versuch, sich durch zu schnelles und rücksichtsloses Fahren der Verfolgung zu entziehen, in die sich zufällig auf seinem Fluchtweg befindende „Radfahrergruppe“ geraten sei. Tatsächlich handelte es sich aber auch in diesem weitesten Sinne nicht um einen „Verkehrsunfall“, sondern um kaltblütig verübten Mord:  erstens war dem Autofahrer, der sich nach dem davor verübten Mord an seinem eigenen Vater im 20km entfernten Ellerstadt mit der Limousine seiner Mutter abgesetzt hatte, zum Zeitpunkt der Kollisionen keineswegs die Polizei unmittelbar auf den Fersen, und zweitens gab es auch die erwähnte „Radfahrergruppe“ nicht. Vielmehr fuhr der psychisch kranke Täter auf einer Gesamtstrecke von immerhin 1,5 km nacheinander und unabhängig voneinander seine Opfer mit vollem Vorsatz im Stile eines Videospielers gezielt über den Haufen. Infolgedessen wird das tragische Ereignis seitens der Behörden zu Recht nicht als Verkehrsunfall registriert. Da solche „Freak“-Ereignisse auch für die Analyse der generellen Radverkehrssicherheit keine Rolle spielen dürfen, wird wie bei ähnlichen Vorfällen in der Vergangenheit das Ereignis auch nicht in meiner Datenbank eingetragen.

 

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